Golm im Wandel
1. Februar 2018
Neue Verbindung zum Uferwanderweg Groß Glienicker See
1. Februar 2018

Wenn es alleine nicht mehr geht

Für die einen sind Falten im Gesicht ein Anzeichen des Älterwerdens, für andere sind sie ein Zeichen von Erlebnissen, Erfahrungen und Geschichten. Doch irgendwann einmal haben wir einen Zustand erreicht, in dem äußerliche Befindlichkeiten völlig in den Hintergrund treten. Dann nämlich, wenn wir es nicht mehr schaffen, uns allein zu versorgen.

Felicitas S. ist 8-fache Uroma und 93 Jahre alt. Vor 10 Jahren ist der Ehemann der früheren Sportlehrerin gestorben. Heute wohnt sie gemeinsam mit Ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn in deren Wohnung im vierten Stock. Ihre Enkel haben bereits eigene Kinder und sind berufsbedingt in andere Bundesländer gezogen. An Geburtstagen und Feiertagen kommen sie zu Besuch.

Fee, wie Felicitas liebevoll von Ihrer Familie genannt wird, ist geistig noch voll auf der Höhe. Nur ihr Körper will nicht mehr so wie sie. Die Osteoporose mit einer einhergehenden und nach vorne ausgerichteten Wirbelsäulenverkrümmung ist so weit fortgeschritten, dass ein Laufen ohne Aufsicht und Hilfe kaum und nur innerhalb der Wohnung möglich ist. Die Zeit, sich selbst versorgen und pflegen zu können ist schon lange vorbei. Die Tochter – ehemals Ärztin, reicht täglich Medikamente, wechselt den Beutel ihres künstlichen Darmausgangs oder hilft beim Waschen und dem Essen. Alle anderen Aufgaben übernimmt ebenfalls der Schwiegersohn.

 

Fee im Kreise ihrer Familie; hier treffen sich vier Generationen

Doch was, wenn Fees Tochter und ihr Mann sich mal eine „Auszeit“ nehmen  müssen, also verhindert sind? Wer kümmert sich dann um Fee? „Verhinderungspflege“ ist die Lösung (§39 SGBXI).

Sind Familienangehörige oder Freunde nicht in der Lage, sich um jemanden zu kümmern, gibt es Menschen, die diese Versorgungslücke schließen. Eine davon ist Annette Bohn aus Groß Glienicke. Die Seniorenpflegekraft und ehemalige Krankenschwester ist bereits seit über 25 Jahren im Bereich der Gesundheitsberatung tätig und betreut Menschen unterschiedlichen Alters, die eine besondere Form der Betreuung und Pflege benötigen. Von Kindern mit körperlichen und geistigen Behinderungen bis hin zu alten Menschen mit Demenz und Bettlägerigkeit betreut und pflegt sie Menschen, die eine ganz besondere und individuelle Hilfe benötigen. Manchmal für ein paar Stunden, ein anderes Mal für ein paar Tage.

Bohns Betreuungskonzept legt dabei großen Wert darauf, sich auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen einzustellen, die ihre Unterstützung brauchen. Primär fokussiert sich Bohn bei ihrer Arbeit darauf, sowohl die geistige als auch die körperliche Leistungsfähigkeit gleichermaßen zu berücksichtigen und zu aktivieren.

Annette Bohn fokussiert die individuellen Bedürfnisse der Menschen

Es ist Freitagvormittag, kurz vor 10 Uhr. Annette Bohn klingelt bei Bärbel S., Fees Tochter, an der Tür. In der einen Hand einen kleinen Koffer, in der anderen einen Blumenstrauß, über ihrer Schulter hängt eine Gitarre. Sie wird schon erwartet. Mit einem strahlenden Lächeln öffnet man ihr die Tür, umarmt sie, noch bevor sie alles abgelegt hat und den Blumenstrauß überreichen konnte – man kennt sich schon seit einiger Zeit. Gemeinsam frühstückt man erst einmal, tauscht sich aus. Bohn erfährt, dass Fee vor kurzem eine Lungenentzündung hatte und Antibiotika bekam. Auch das Bettgitter, das jetzt an Fees Bett angebracht wurde, ist neu, erfährt Bohn, die Fee etwa sechsmal im Jahr an verlängerten Wochenenden besucht und sich um sie kümmert.

Als Fees Feinmotorik es noch zuließ, häkelte sie für Bohn jedes Mal ein Paar Topflappen, wenn sie zu Besuch kam. Doch dies kann sie inzwischen nicht mehr.

Nachdem Fees Tochter gegangen und Bohn mit Fee alleine ist, beginnt sie im Rahmen der Pflege und Betreuung mit unterschiedlichen Übungen, die sie über den ganzen Tag wohldosiert verteilt. Neben den Gymnastikübungen, die die Motorik und Beweglichkeit aktivieren sollen, versucht Fee sich an einem Puzzle, das ebenso die Konzentration schult. Bohn spielt dazu Gitarre und singt. Wenn Fee Lust hat, singt sie mit. „Singen tut Menschen gut“, sagt Bohn. „Sie aktivieren dabei unterschiedliche Areale ihres Gehirns und empfinden Freude. Außerdem trainiert es die Atemhilfsmuskeln besonders gut.“

Auch Ausflüge werden unternommen

Nach dem Mittagessen, das bereits vorbereitet wurde oder auch ab und an von Bohn selbst frisch gekocht wird, legt sich Fee hin, um sich auszuruhen. Am Nachmittag gibt es dann Schokoladentorte von Lenôtre aus dem KaDeWe, mit Goldglasur, dazu einen „Schokoccino mit ganz viel Süßies“. Das ist für Fee ein ganz besonderes Highlight. Dazu gönnt sich Fee ein halbes Glas Weißweinschorle. Die andere Hälfte wartet später zum Abendessen auf sie, dazu gibt es eine halbe Avocado und eine Scheibe Sesambrot mit Gorgonzola.

Nach den 20 Uhr-Nachrichten, die Fee noch immer aufmerksam verfolgt, gehört der Samstagskrimi zum abendlichen Ritual. Sie trägt dabei einen Kopfhörer, um besser zu hören. Danach bringt Bohn Fee zu Bett.

Am nächsten Morgen bereitet Bohn das Frühstück für Fee so zu, wie sie es am liebsten hat, bevor sie sie gegen 10 Uhr weckt: Toast mit Leberpastete und Rührei.

Beim Anziehen der Trombosestrümpfe, der Kleidung, der Messung des Blutdrucks und der Morgentoilette ist Bohn Fee ebenfalls behilflich und legt ihr dazu die Tagescreme, den Lippenstift und den Liedschatten raus, denn Fee ist sehr darauf bedacht, einen gepflegten Eindruck zu machen. Bohn legt Fee auch die Perlenkette an, die Fee von ihrem Mann vor vielen Jahrzehnten geschenkt bekam.

Auch die anderen Tage verlaufen nach dem gleichen Muster und den bekannten Ritualen ab. Fee genießt dabei die Anwesenheit von Bohn – und umgekehrt. Das gemeinsame Wochenende geht schnell vorbei.

Am Sonntagnachmittag kommen Fees Tochter und ihr Mann von ihrem Kurturlaub zurück. Diesmal haben sie Bohn exotische Kräuter mitgebracht, weil sie wissen, dass sie gerne kocht. Wie bei der Ankunft von Bohn setzt man sich auch jetzt noch einmal zusammen gemütlich an den Tisch – nur diesmal bei einem Glas Wein – und tauscht sich über die letzten Tage aus.

Als es Zeit wird, für Bohn zu gehen, fällt allen der Abschied schwer.

Mehr zu dem Angebot von Annette Bohn finden Sie unter: www.bohn-betreut-in-berlin.de

sts

X