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Warten auf ein Wunder?

Zum Beitrag von Herrn Sträter im HEVELLER/September 2017 zum „Problem Preußenhalle“ 

Die Preußenhalle ist ein Denkmal. Nicht für die Architektur von Kasernen der Vorkriegszeit, sondern für den staatlichen Umgang mit Infrastruktur in der ehemaligen DDR. Wer über 40 Jahre alt und wessen Erinnerung noch nicht völlig verklärt ist, wird sich erinnern: Leben von der Substanz und hoffen auf ein Wunder – überall dort, wo privates Engagement oder hohes staatliches Interesse fehlte. So erkläre ich es unseren fragenden Gästen und meinen Kindern. Derartige „Denkmäler“ findet man rund dreißig Jahre nach dem Wunder (der Wiedervereinigung) immer seltener. Mal sind es ungeklärte Eigentumsfragen, mal wollen sich skrupellose Investoren über Verfall ihrer Mieter entledigen. „Eigentum verpflichtet!“, hält man derartigen Sündern vor, in Kreuzberg drohten die Grünen auch schon mit Enteignung. Dass ein Gebäude in öffentlicher Hand derart verfällt, macht hingegen sprachlos. Ein Skandal ist, dass es bis 2017 gedauert hat, ein Sanierungskonzept in Auftrag zu geben, um dieses dann noch zu „diskutieren“. Rational lässt sich das nur mit dem bewussten Hinauszögern einer längst überfälligen Entscheidung erklären. Hätten wir das so lange toleriert, wenn die Preußenhalle mitten in Groß Glienicke stehen würde? Der Entscheidungsprozess ist nicht komplex. Wir haben es hier nicht mit BER zu tun, der übrigens unter anderem daran gescheitert ist, dass ein Oberbürgermeister entschied, das Projekt nicht in privatwirtschaftliche Hand zu geben.

Die marode Preußenhalle

Trüge der Ortsbeirat Budgetverantwortung, so müsste er abwägen, ob die notwendigen Ausgaben für eine Restaurierung der Halle, sowie der anschließend erforderlichen Ausgaben für Betrieb und Bauunterhalt in einem angemessenen Verhältnis zu anderen öffentlichen Projekten des Ortes steht. Alternativ käme auch ein (vielleicht günstigerer?) Neubau an anderer Stelle oder Mietzahlungen an einen Privatinvestor in Betracht. Mit einer Debatte über die Frage, ob öffentlicher Besitz besser ist, als privater oder mit Warten auf ein Wunder lässt sich die Halle jedenfalls nicht betreiben.

Tatsächlich wurde noch die 750-Jahrfeier Groß Glienickes in der Halle erwähnt. Was war das denn? DDR Nostalgie nach dem Motto: Schaut her! So würde es heute überall aussehen, wenn wir die hätten weitermachen lassen… Jeder Groß Glienicker Mitbürger, der die Preußenhalle nutzt, ohne sich dafür einzusetzen, die notwendigen Kosten hierfür aufzubringen, sollte sich schämen, allen voran unser Oberbürgermeister, der sich nicht zu schade war, den planwirtschaftlichen Verfall der Halle mitzufeiern.

 Bernhard Teicke, 14476 Potsdam – Groß Glienicke

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