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„Endlich mal wieder ein Fest“
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Steinhof Langner mit Kreuz von Krähnack

Vom kriminalistischen Dorfgeschehen nach der Wende

Der zurückliegende Krimimarathon machte auch auf dem Steinhof von Bodo Langner halt. Die Lesung mit viel Kerzenschein, Kaminfeuer, Kürbissuppe und Wein war gleichzeitig die Einweihung der neuen Stätte des dortigen Steinparadieses, in der es künftig neben Buchlesungen auch andere kulturelle Veranstaltungen geben soll. So fand hier kürzlich auch ein Kunstlehrgang statt, bei dem Bilder aus Lehm entstanden. Bodo Langner, in Sachen Baustoffe studiert und spezialisiert, war bereits in etlichen Orten wie in Klosteranlagen mit seinen Schulungen für die Verarbeitung von Lehm unterwegs und sehr gefragt. In seiner zur Krimilesung neu eingeweihten Räumlichkeit schmückten Tonbilder mit warmen Farben die Wände. Erstmalig folgten viele Gäste der Einladung, hier einen Krimiabend zu erleben.

Es war auch für Krimiautor Ralph Gerstenberg das erste Mal, wie er bemerkte, dass er eine Lesung von solch einem riesigen Pult aus vornimmt. Nach seinem Studium der Neueren Deutschen Literatur und Kulturwissenschaft ist er seit 1997 freiberuflich als Autor und Journalist tätig. In dem Berlin-Brandenburg Krimi DAS KREUZ VON KRÄHNACK erzählt er mit viel Ironie, wie sich das Leben der Menschen in Ostdeutschland nach der Wende verändert hat. In der überalterten, arbeitslosen, ortsansässigen Bevölkerung ragen ehemalige, schnell gewendete Funktionäre positionell heraus. Viele junge Leute sind weggezogen, dafür seien ausgeflippte skurrile Großstadtflüchtlinge ansässig geworden.

Der Wessi-Schlossbesitzer Carlos Rosa krönt sich zum Schrittmacher der rat- und mittellosen Dorfspezies und weiß, wie Geld hier in Fluss kommt. Der Berlin-Kommissar Bernhard Leser hat bereits zwei Herzinfarkte hinter sich, als er hofft, mit einem „Life-Work-Balance-Seminar“ seine Gesundheit verbessern zu können. Aber das „Kreativgesocks“ des Seminars geht ihm auf die Nerven. Als eine Kolonne Blaulichter jaulend durch die Dorfstraße rast, schlägt für Oeser die Minute der Erlösung und der ungefragten Ermittlung.

Als im Dorfteich die Leiche eines buddhistischen Mönchs gefunden und das Buch noch kriminalistisch spannender wurde, schloss Ralph Gerstenberg seine Lesung. Die Zuhörer, die das Taschenbuch noch nicht in ihren Besitz gebracht hatten, sollten so nun noch dazu animiert werden, das Buch zu kaufen.

Mayerhoffer ist zwar der Gärtnereibesitzer des uckermärkischen Dorfes, in dem die mörderischen Dinge vor sich gehen, aber er ist nicht der Täter, obwohl zwei der vier Roman-Toten, der angebliche Mönch und der gekreuzigte Schlossbesitzer, seinen Morgenweg säumten und er ins Fadenkreuz der örtlichen Ermittlungen gerät.

G. S.

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