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Schleichwege – ein Stück aus dem Tollhaus?

Die Stadt scheut sich,  Durchfahrtsverbote in der Innenstadt zu verhängen und andererseits brauchbare Alternativen für den ÖPNV anzubieten;  die jüngste Verschlechterung der Busanbindung 612 für Grube ist Anlass dieser Zeilen: Der „Schulbus“ der direkt zum Hauptbahnhof fuhr, ist gestrichen! Und jetzt kommt´s: Der B 612 fährt zwar nach wie vor von Kirschalllee bis Töplitz bzw. umgekehrt, zwischen Töplitz (Werder) und  Schlänizseer Weg (Potsdam-Grube) wird er aber zum B 634 umgetauft, weil sich ViP und Havelbus nicht einigen können. Ein Stück aus dem Tollhaus! Kleinstaaterei – Katalonien lässt grüßen? Hier wäre mal zu überlegen, ob die Verkehrssysteme nicht Länder-, wenn nicht Bundessache sein sollten! So lockt man keinen PKW-Eigner in den Bus!  Es liegt auf der Hand: Der ÖPNV kann nur zur Entlastung der Innenstadt wirksam werden, wenn er so attraktiv ist, dass PKW-Nutzer ihr Auto stehen lassen, wenn sie in oder durch die Stadt müssen. Für den Wirtschaftsverkehr bringt´s eh´ nichts.

Das funktioniert natürlich nicht  durch – erklärtermaßen – bewusst eingerichtete bzw. gewollte Staufallen, um PKW aus der Stadt zu vergraulen, in der Hoffnung, dadurch die Belastung zu vermindern; das Gegenteil  ist der Fall:  KFZ werden in der Innenstadt nicht weniger, sondern mehr. Sie werden  auf überflüssige Streckenverlängerungen oder Schleichwege gezwungen. Die Mehrbelastung der Bürger liegt auf der Hand. Nun versucht man, die Schleichwege zu versperren.

Einige Beispiele für solche Stellen:

  • Angesichts der chronischen Verstopfung der Strecke Reiterweg – Am Neuen Garten – Behlert- zur Nuthestr. (bzw. der ebenso vollen Parallelstrecke über die Hegelallee), biegen zahlreiche KFZ  in die -Ebert undtrotz Linksabbiegeverbotsam Nauener Tor  links in die Kurfürstenstraße ein.
  • Die Kappung der Schoppenhauerstr./Charlottenstr. am Luisenplatz zwingt alle KFZ, die z.B. in die Breite Str./Landtag/zum Hbf. müssen,  zur Schleife um den Platz über Zeppelin bis zur überlasteten Kreuzung Breite Straße. In der  Charlotten-/Schopenhauerstr. herrscht dagegen dörfliche Stille.
  • KFZ, die die den Reiterweg nach Westen befahren,  um  in die Pappelallee zu kommen, müssen bis zur überlasteten Kreuzung Jägerallee – Voltaireweg, dann rechts in die Jägerallee fahren, wieder anstehen und dann links in die Dabei existierte eine famose Rechtsabbiege-Möglichkeit  vor der Kreuzung Jägerallee (Russ. Kollonie), die die Linksabbieger direkt zur Pappelallee führte. Sie  soll aus Gründen des Denkmalschutzes geschlossen worden sein (angeblich zu dicht an Alexandrowka-Häusern – trifft aber am Reiterweg genauso zu!).
  • Platz der Einheit – kein Rechtsabbiegen (nur bis Parkhaus Wilhelmgalerie), da Einbahnstr.; KFZ, die in Richtung Glienicker Brücke  wollen, müssen eine Riesenschleife über Französische Str., Am Kanal  machen. Vorher in die Friedrich-Ebert nach rechts abzubiegen, führt (über Schlossstr./ Filmmuseum.) nur nach Babelsberg.
  • Friedrich-Ebert/Yorkstr./Am Kanal von Norden ist Linksabbiegen in Am Kanal verboten; Folge: Riesen -Schleife über Schlossstr.-Breite – Humboldstr. – Am Alten Markt – Am Kanal!
  • Kurfürstenstr. / Ecke Behlertstr. geradeaus zur –  Hier ist das Linksabbiegen verboten, Rechtsabbiegen geht nicht , da Behlert = Einbahnstraße;  KFZ, die Richtung Nord/West wollen, werden gezwungen, geradeaus zu fahren und einen riesen Bogen (über Manger – zur Otto-Nagel-Str.) rechts in die Berliner Str. bis zur überlasteten  Kreuzung –Behlertstr. zu fahren, diese in Richtung Nord zusätzlich zu füllen!

Was also ist geboten?

Wenn der ÖPNV überhaupt eine Chance zur Lösung des chronischen Verkehrsproblems von Potsdam bekommen kann, dann nur durch eine mutige, unkonventionelle Entscheidung: Er muss kostenlos sein und die Innenstadt muss für PKW gesperrt werden!  Das muss natürlich auch durch kurze Taktzeiten unterstützt werden.

Der Aufschrei  ist vorprogrammiert: Wer soll das bezahlen?

Schau´n wir mal: Was würde das die Stadt kosten?

Der bisherige Zuschussbedarf des ViP  liegt bei ca. 20 Mio € jährlich und macht etwa 60% des Bedarfs aus (40% kommen durch Fahrkartenverkauf  zusammen); der Gesamtbedarf pro Jahr würde also auf ca. 33 Mio € steigen. Klar, ne´ Menge Geld, aber was kostet der tägliche Verkehrskollaps wirklich (ohne EU-Strafen!)? Die  Wertigkeit dieses Problems im Gesamthaushaltsvolumen von über 200 Mio € muss dringend überdacht werden! Mit Kosmetik wie Pförtnerampeln, 30-Zonen oder Abbiegeverboten wird´s nicht gehen!

War nur so eine Idee.

R. Sterzel

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