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Potsdamer Kulturgespräche
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OPEN MIND im Fahrländer Kulturladen

Ammar Al Kharraz dokumentierte Proteste und landete in Folterkammern

Im Kulturladen des Bürgervereins Fahrland und Umgebung e. V. befindet sich jetzt die neue Ausstellung „OPEN MIND – Kalligrafie, Fotografie, Film“. Die Ausstellung deutscher und syrischer Künstler war mit einer Filmdiskussion und einem arabischen Buffet am 30. September eröffnet worden. Unter dem Motto:»Vielfalt verbindet« wurde die Vernissage Bestandteil der bundesweiten »Interkulturellen Woche«.

Guten Appetit! Ein megaleckeres arabisches Büfett zur Eröffnung der neuen Vernissage im Kulturladen

Zur Vernissage konnte u. a. Undine van Beek, Referentin für Text und Fotos bei der Potsdamer Kunstgenossenschaft, begrüßt werden. Sie ist Begleiterin verschiedener Projekte und Workshops.

Auch Thomas Flick, Regisseur des Filmprojektes war gekommen sowie Katharina Riedel vom Filmworkshop. Gemeinsam mit jungen Syriern haben sie einen Film geschaffen, welcher über die Erfahrungen junger Menschen in den Gefängnissen berichtet.

Das Essen wurde als wichtiger Meilenstein entdeckt, sich näher zu kommen und sich zu verstehen. Dem Syrier Ammar Al Kharraz hat es auch Spaß gemacht, zu kochen.

Carla Villwock, Geschäftsführerin des Brandenburgischen Kulturbundes und auch gleichzeitig Mitglied des Fahrländer Bürgervereins mit Ammar Al Kharraz und Sieglinde Franke, Vorstandsmitglied des Bürgervereins (v. l. n. r.)

Während des „arabischen Frühlings“ dokumentierte er Proteste, stellte Videos und Fotos online. Die Syrier sollten daheim erfahren, wie verbreitet und stark die Protestbewegung gegen das Baschar al Assad-Regimes geworden ist, denn die syrischen Medien berichteten nicht darüber. Direkt von einer Demo landete er in den Folterkellern des Militärs seiner Heimatstadt Homs. In einer engen, überfüllten Zelle saßen ausgemergelte Häftlinge eingepfercht. Drei mussten aus Platzmangel immer stehen. Die anderen saßen mit angezogenen, überkreuzten Beinen auf dem Boden. Reden war verboten. Wer es doch tat, wurde in eine Zelle geworfen und ohne Essen und Trinken dort gelassen, bis er starb. In den Todeszellen schrien die Menschen und stammelten; vor Hunger und Dehydrierung. Aber auch in anderen Zellen verstarb mindestens einer der Häftlinge täglich. „Bis zu vier Tage wurde nicht Bescheid gegeben, um das Essen des Toten zu bekommen“, erzählte Ammar. Es gab drei Löffel fast ungekochten Bulgurweizen oder Reis und ein Stück Brot am Tag sowie zwei Schluck Wasser. Jeder durfte einmal am Tag zur Toilette. Ammar ist das einzige Kind seiner Eltern und er kämpfte deshalb gegen seinen Tod.

Als er in das zweite Gefängnis verlegt wurde, kam er in das berüchtigte Militärgefängnis von Damaskus. Hier war jeder Häftling nur noch eine Nummer, Ammar war „303“. Keiner durfte einen Namen nennen. Es gab andere Brutalitäten und Folter. Vom 22. bis 26. Lebensjahr war er in Gefängnissen, in denen er immer grauenvoll gefoltert wurde und beinahe starb. Sein Körper ist u.a. gekennzeichnet durch Narben von Brandeisen und ausgedrückten Zigaretten.

Ihm gelang die Flucht aus Syrien, über die Türkei und mit einem Schlauchboot über die Balkanroute.

Seit einem Jahr und sechs Monaten lebt der inzwischen 28-Jährige in Potsdam. Er möchte gern hier bleiben, bei seiner Freundin, die er hier kennen lernte und mit der er ein Baby erwartet. Er sagt: „Ich denke aber stets an die Leute in den Gefängnissen, wie schlecht es ihnen ergeht.”

Gertraud Schiller 

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