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Nie wieder Todesangst

Mahdi Bay und Bernd Wolfgang Steuten zeigen, wie Integration erfolgreich funktioniert

Mahdi Bay ist heute 22 Jahre alt und 20 Jahre davon auf der Flucht. Schon als Kleinkind floh er mit seinen Eltern aus Afghanistan in den Iran, um den Todesdrohungen und Übergriffen der Sunniten zu entkommen, denn seine Familie gehört einer schiitischen Minderheit mit mongolischem Einfluss an. Doch auch im Iran fand die Familie keinen Frieden und wurde immer wieder Opfer von Gewalt. Bay musste sogar zusehen, wie sein Onkel erstochen wurde. Weil es lebensbedrohlich war, auf die Straße zu gehen, wuchsen Bay und seine Schwester in der Wohnung der Eltern auf, ohne je eine Schule von innen gesehen zu haben. Spielen mit anderen Kindern war kaum möglich, auf die Straße wurde nur gegangen, wenn es nicht zu vermeiden war.

Als Bay vor 2 Jahren mit vielen anderen Flüchtlingen und ohne Familienangehörige in Deutschland ankam, lag eine qualvolle und lebensbedrohliche Odyssee hinter ihm. Doch die Gefahr, abgeschoben zu werden und wieder zurück in ein Leben voller Angst und Bedrohung zu müssen, blieb.

Wolfgang Steuten (links) und Mahdi Bay (rechts), zwei, die zusammenhalten

Als Bay vor über anderthalb Jahren von Wolfgang Steuten eine Festanstellung als Hausmeister für das Areal des Villenparks und weitere Unterstützungen erhielt, war dies die Möglichkeit aber noch lange nicht der Start in ein neues Leben, denn zwischendurch hieß es immer wieder, Bay würde abgeschoben. Diese Angst lähmte ihn. „Ich freute mich, dass ich hier in Deutschland, Arbeit und Freunde gefunden habe, aber ich hatte immer große Angst, wieder zurück zu müssen, wollte aber so schnell wie möglich Deutsch lernen und arbeiten“, erzählt uns Bay in gutem Deutsch, der in Deutschland das erste Mal in seinem Leben erfuhr, was Gastfreundschaft heißt.

Im August dieses Jahres änderte sich sein Leben plötzlich und unerwartet. „Ich dachte, ich soll zu einem weiteren Besprechungstermin“, schildert Bay diesen Tag. Doch er war zu einer Anhörung vor Gericht geladen. Am Ende verkündete die Richterin, dass Bay das subsidiäre Bleiberecht nach §4 AsylG zugesprochen bekäme, womit man anerkennt, dass ihm mit einer Abschiebung in sein Herkunftsland ein ernsthafter Schaden droht und er dort keinen Schutz erwarten kann. Wenn alles weiterhin für ihn gut läuft, kann Bay sogar in drei Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. Für Bay war das der Beginn eines neuen Lebens, wenngleich es eine Weile dauerte, bis er die Tragweite des Urteils völlig begriffen hatte. „Für mich beginnt ein neues Leben. Ich kann jetzt besser Deutsch lernen. Ich möchte Deutschland besser kennenlernen und auch einen Beruf lernen, ich möchte jetzt Deutscher, ein Teil von Deutschland werden“, plant Bay, und auch an eine eigene Familie denkt er jetzt. „Das alles wäre ohne die Unterstützung von Wolfgang Steuten nicht möglich gewesen, der immer für mich da war und an mich geglaubt hat“, bedankt sich Bay und umarmt Steuten.

Bay hat mit viel Fleiß, Engagement und etwas Unterstützung gezeigt, dass erfolgreiche Integration keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung für unsere Gesellschaft ist.

sts

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