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Mücken erinnern an Russenkino

Der Sommer 2017 zeigte sich gerade von der besten Seite und wir sitzen im Schatten der Hollywoodschaukel zuhause bei Gerd Schulz. Die Mücken pisaken uns. „Wir hatten schon einmal so viele Mücken“, beginnt der langjährige Ortschronist von Falkenrehde zu erzählen.

Als Kind war Gerd Schulz im März 1945 von Kunersdorf bei Frankfurt/Oder (jetzt Kunewitz) zu seiner Großtante nach Falkenrehde gekommen. Er erlebte hier das Kriegsende und den schrecklichen Durchmarsch und Quälereien der letzten überlebenden Kriegsgefangenen sowie auch den Einmarsch der sowjetischen Armee mit. Ab Juli ging alles nach Befehlen der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD).

Ausschnitt aus: Die letzte Schlacht der Kosaken. Foto: Getty

Als Bürgermeister wurde damals von ihnen der Kommunist Fritz Kallers eingesetzt. In einem Schaukasten kündigte dieser eine Filmvorführung an, die im Schlosspark stattfand. Alle Bewohner von Falkenrehde sollten kommen.

Zwischen zwei großen Bäumen war eine riesige Leinwand gespannt. Der Schlosspark war von einem großen Zaun umgeben und russische Posten bewachten von jeder Seite die Veranstaltung. Es durfte niemand vor Ende der Veranstaltung nach Hause gehen. Zwei Stunden lang wurden mehrere Filme gezeigt. Auf der Leinwand erschienen Kosakenfilme mit der entsprechenden Musik.

„Die Kosaken schwangen ihre Säbel und immer wenn sie mit ihren Pferden auf uns zugeritten kamen, schmissen wir uns auf die Erde“ erzählte Gerd Schulz, „denn wir Kinder dachten, dass uns die Pferde umrennen könnten. Auf dem Boden waren viele Ameisen und wir konnten uns nicht vor den vielen Mücken in jenem Jahr retten. Keiner durfte nach Hause. Die Wachposten ließen uns nicht durch, denn wir sollten die neue russische Kultur kennen und akzeptieren lernen.

G. S.

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