Rote Kreuzer mit Nacht der Vampire
27. November 2017
Kochen in der Schule…
27. November 2017

Kaum Ärzte im Potsdamer Norden

Die nördliche Region von Potsdam wächst rasant, doch es fehlt an niedergelassenen Ärzten

Der HEVELLER geht im Gespräch mit Matthias Finken, Fraktionsvorsitzender der CDU/ANW-Fraktion sowie Sprecher der Interessenvereinigung Bornstedter Feld und Christian Wehry, Leiter Kommunikation und Pressesprecher der Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) der Frage nach, ob es wirklich zu wenige niedergelassene Ärzte in Potsdams Norden gibt.

Matthias Finken, Vorsitzender der CDU/ANW-Fraktion

„Der Mangel an Ärzten im Potsdamer Norden und im ländlichen Raum wird seit Jahren angemahnt. Vor allem Kinderärzte und Ärzte für unsere Senioren fehlen. Eine wirkliche Verbesserung ist nicht in Sicht und das starke Bevölkerungswachstum wird die Lage noch verschärfen“, weiß Finken aus erster Hand zu berichten. „Wir fordern daher mit Nachdruck, die Anzahl und die Verteilung der Ärzte an dem tatsächlichen Bedarf auszurichten. Wir werden in der nächsten Stadtverordnetenversammlung die Verwaltung auffordern, alle Möglichkeiten zu nutzen, auf die Anpassung des im Grunde unbrauchbaren alten Berechnungsschlüssels hinzuwirken“, so Finken weiter.

Sieht man sich jedoch die Versorgungsgrade an, die die KVBB jährlich veröffentlicht, ist Potsdam mit 3.760 Ärzten nicht nur ausreichend, sondern sogar überversorgt. Geht man von einem optimalen Versorgungsgrad von 100 Prozent aus, ist dieser in Potsdam für alle Arztgruppen erreicht oder liegt sogar in einzelnen deutlich darüber“, so Wehry von der KVBB.

Die ambulante medizinische Versorgung gliedert sich in die hausärztliche und die fachärztliche Versorgung. In Potsdam kümmern sich nach Angaben der KVBB 123 Hausärzte (Fachärzte für Allgemeinmedizin, hausärztlich tätige Internisten und Praktische Ärzte) und ca. 216 Fachärzte, um die Gesundheit der fast 189.000 Einwohner starken Bevölkerung (Stand 31.12.2015) zu gewährleisten. Darunter 9 Hautärzte (21.876 Patienten pro Arzt), 18,5 Kinderärzte(2.405 Patienten pro Arzt), 15 Orthopäden (14.232 Patienten pro Arzt) und 75,9 Psychotherapeuten (3.044 Patienten pro Arzt).

Woher resultiert das Gefühl, dass es in einigen Regionen zu wenige Ärzte gibt?

Die Stadt Potsdam wird als ein Planungsgebiet betrachtet, deswegen werden keine kleinräumigeren Statistiken zur Versorgungsbewertung erstellt. Es ist jedoch unstrittig, dass sich die Verteilung der Arztpraxen im Stadtgebiet sehr unterschiedlich darstellt. Die höchste Dichte ist u.a. in Babelsberg und im Zentrum der Stadt – im Potsdamer Norden und weiteren Randgebieten sind diese Konzentrationen nicht so ausgeprägt“, erklärt Wehry. Was laut Wehry jedoch kein Mangel sei, sondern u.a. das Ergebnis der unterschiedlichen Entwicklung der einzelnen Stadtgebiete.

Zu wenige Ärzte in Potsdams Norden? Foto: Ligamenta Wirbelsäulenzentrum /pixelio.de

„Wir sind uns dennoch bewusst, dass die Berechnung des Versorgungsgrades die tatsächliche Entwicklung der Krankheitslast und der notwendigen medizinischen Versorgung nicht optimal abbildet“, sieht Wehry ein. „Weil ältere Menschen häufiger zum Arzt gehen als jüngere und deren medizinische Betreuung ebenfalls höher ist und die Bevölkerung Potsdams immer älter wird, besteht auch die Notwendigkeit, dieser Entwicklung bei der Berechnung des Versorgungsgrades gerecht zu werden, was derzeit nicht geschieht. Aus diesem Grund wird die Berechnungsgrundlage zurzeit vom gemeinsamen Bundesausschuss überprüft und vermutlich anzupassen sein“, so Wehry.

Mehr zum Thema erfahren Sie unter www.kvbb-arztsuche.de oder beim KVBB-Patiententelefon (0331 / 98 22 98 51).

sts

X