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Garde Dragoner Friese kaufte Gut Paaren

Der Rittergutsbesitzer mit zahlreichen hohen Ämtern: Kreisdeputierter, Königlicher Amtsrat oder Kreisdirektor der Feuersozietät

Die beiden Rittergüter, die es seit dem 14. Jahrhundert in Paaren gab, gehörten den von Bardeleben, von Ha(c)ke und von der Gröben. Die von Bredow vereinigten die Güter 1680 zu einem Gut. Dieses gelangte 1680 in den Besitz von Hans Rudolf von Bischoffwerder.

Das Gutshaus Paaren in früheren Zeiten

Nach der Separation, der Besitz- und Flächenregulierung von 1840, existierten außer dem Rittergut die Bauern Christian Stahlberg, Zimmermann, Rose sowie die Kossätenhöfe Zahnsche Erben, Mahnkopf und Kunow. 1867 zählten zum Rittergut 1138 Morgen (284 Hektar) Land. Die Gemeinde besaß 465 Morgen (116 Hektar) sowie 59 Morgen in der Feldmark von Marquardt.

Ab 1880 war Rudolf Friese Besitzer des Gutes.

Friedrich Rudolf Friese

Friedrich Rudolf Friese (1844-1927) wurde als dritter Sohn des königlichen Amtsbauern und Ortsschulzen Johann Friedrich Friese und dessen Ehefrau Caroline Friederike Emilie Netzeband geboren. Er wurde Landwirt und nahm als Garde Dragoner 1866 an dem preußisch-österreichischen Krieg und von 1870–1871 am Deutsch-Französischen Krieg erfolgreich teil.

 

 

 

 

 

 

 

Marie Auguste Sophie Friese geb Buge II.

1874 heiratete er Marie Auguste Sophie Buge (1852-1921). Sie erbte das Gut ihres Vaters Christian Friedrich Wilhelm Buge in Dyrotz, dem heutigen Gemeindeteil von Wustermark. Mit seiner Frau lebte er von 1874 bis 1880 im elterlichen Gutshaus in Dyrotz. Ihre ersten Kinder wurden hier geboren: 1875 die Zwillinge Johannes und Margarethe, 1876 Elisabeth, 1878 Anna und 1880 Rudolf. Das Gut wurde verkauft, um ein größeres zu erwerben.

Im Frühjahr 1880 kaufte Friedrich Rudolf Friese das Rittergut Paaren. In das dortige Gutshaus zog auch Caroline Luise Friederike Buge, geb. Dansmann, die Mutter von Sophie mit ein. Hier verstarb sie im Alter von 78 Jahren.

In Paaren wurden weitere Kinder des Paares Friese geboren: Walter 1881, Kurt 1882 und Käthe 1886.

 

 

 

 

Das Gut Paaren an der Wublitz

Der Vorbesitzer der Frieses war ein Herr Kirsten, unter dem das Gut verwahrlost gewesen sein soll und vermutlich trotz seiner mehrfachen Größe von Dyrotz mit 1200 Morgen Ackerland, Wiesen und Waldungen ohne geldliche Risiken übernommen werden konnte.

Käthe (verheiratet v. Kommerstädt), die jüngste Tochter der Gutsfamilie Friese beschrieb in den Erinnerungen an ihren Vater, dass ein kleines idyllisches Flüsschen (die Wublitz) vom Rittergut Paaren zwei Drittel der Ländereien als natürliche Grenze umzieht. Das Wohnhaus war für damalige Verhältnisse nicht allzu groß und für die größer werdende Familie zu klein. Vom Norden und Westen war es von einem Park eingeschlossen, der sich bis zur Wublitz zog und auch einen großen Gemüsegarten hatte. Zur südlichen Seite dehnte sich ein großer Hof mit im Carree gebauten Stallungen und Scheunen aus. Zum Gut gehörten eine Spiritusbrennerei, eine Fischerei und etliche Obstplantagen.

Die Gutsherrenfamilie Friese aus Paaren

Zur Bewirtschaftung der Flächen wurden Arbeitskräfte eingestellt. Es gab auch einen Inspektor zur Beaufsichtigung sowie einen Förster, einen Fischer zum Fang, der Instandhaltung aller Gewässer und der Wublitz-Ufer sowie ein Gärtner und Pächter zur Bearbeitung der Obstplantagen. Neben vielen Beerenfrüchten und ausgedehnten Spargelanlagen wurde eine große Anzahl von Kirschbäumen angebaut. In der Brennerei entstand aus Kartoffeln Spiritus. Sehr wichtig war, den Posten eines Brennmeisters zu besetzen, weil die Potsdamer Zollbehörde die ständige Überwachung der Spiritusherstellung in den Händen hatte und ihr alles genehm sein musste.

Zum Gut gehörte auch eine so genannte Ziegelstein-Fabrikation. Sie wurde vom Frühjahr bis zum Herbst betrieben. Dazu traf eine geschulte Arbeiterkolonne ein. Sie war beim Lehmstechen und beim Handstrich der Steine tätig.

Saisonarbeitskräfte waren auch die Schnitter, die zu den Erntearbeiten eintrafen. Als besonders lukrativ zeigte sich der Zuckerrübenanbau nach der Gründung der Nauener Zuckerfabrik im Jahr 1899. Für die Entwicklung dieser landwirtschaftlichen Einrichtung setzte sich der Paarener Gutsbesitzer mit seiner ganzen Persönlichkeit und nie rastendem Pflichtgefühl ein. Er war im Aufsichtsrat der Zuckerfabrik Nauen und zeitweise stellvertretendes Mitglied des Vorstandes.

Nahe der früheren Ziegelei Paaren entstanden aus den Gruben des Lehmabbaus attraktive Gewässer, die vom Deutschen Anglerverband Falkenrehde bewirtschaftet werden

Die „Schweizer“ in Paaren

Friedrich Rudolf Friese war wohl der erste Besitzer von so genannten „Schweizern“ im Osthavelland. Direkt aus der Schweiz holte er die Kühe in den Paarener Gutsstall, der mit 100 Milchkühen bestückt war. Sie wurden dreimal am Tag gemolken. Die Milch kam nach einer Naturkühlung täglich im Morgengrauen mit Pferden zum nächsten Bahnhof, um per Zugversand in großen Blechkannen den Berlinern zur Verfügung zu stehen.

Traktoren gab es noch nicht. Zum Pferdebestand gehörten zirka zehn Arbeitsgespanne, schwere belgische Pferde sowie vier Luxuspferde zum Fahren und Reiten.

In den Jahren 1885-1895 pachtete Rudolf Friese noch ein zweites Gut, die Carolinenhöhe in der Nähe von Berlin-Spandau. Im Jahr 1895 übernahm er die königliche Domäne in Fahrland. Später wurde er zum Königlichen Amtsrat berufen. Weitere Güter kamen hinzu, die er zur Blüte brachte. Sie wurden unter seiner Aufsicht von einem Verwalter bewirtschaftet oder seinen Söhnen übergeben. Auch die Töchter bedachte er reichlich.

Trotz Magenkanüle hatte der alte Friese noch täglich Feldfahrten in seinem kleinen Einspänner unternommen. Als er im 84. Lebensjahr an Speiseröhrenkrebs verstarb, hatte er, auch mit zahlreichen hohen Ehrenämtern der Staats-, Provinzial- und Kreisverwaltung, ein großes Lebenswerk geschaffen. Seine Trauerfeier in Paaren gestaltete sich zu einen gigantischen Ehrenaufgebot.

G. S.

Fotos: Archiv/Schiller

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