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Für Vielfalt in der Natur

Am 13. November gaben Jörg Vogelsänger, Brandenburgs Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft, und Dr. Fritz Brickwedde, Stiftungsratsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung, in Elstal bei Berlin den Start für Förderprojekte in Sielmanns Naturlandschaften bekannt.

Sielmanns Naturlandschaften Döberitzer Heide und Tangersdorfer Heide wurden bis Anfang der 1990er Jahre militärisch genutzt. Heute bieten sie Tausenden von seltenen Arten Zuflucht und Lebensraum. Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz „Döberitz“ betreut die Heinz Sielmann Stiftung heute rund 3.650 Hektar mit ca. 5.500 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten.

Minister Vogelsänger (l.) und Dr. Fritz Brickwedde bei der Bekanntgabe.

Wo früher Panzerketten den Boden aufwühlten, Explosionen und Brände die Landschaft formten, sorgen heute vorzugsweise Tiere für die Offenhaltung der Flächen. In einem rund 1.860 ha großen Semireservat gestalten große Pflanzen-fresser wie Wisent, Przewalskipferd und Rothirsch weitgehend unbeeinflusst von menschlichen Einflüssen die Landschaft. Durch ihr Fressverhalten, ihren ausgeprägten Spieltrieb, ihre Vorliebe für Staubbäder und ihre Wanderwege unterdrücken und verzögern die Tiere die Wiederbewaldung, erhalten wertvolle Offenlandstrukturen und tragen somit zur Erhöhung der biologischen Vielfalt bei.

Jetzt will die Heinz Sielmann Stiftung in den europäischen Schutzgebieten Döberitzer Heide – Ferbitzer Bruch und der Tangersdorfer Heide Offenlandstrukturen wieder herstellen, um die trockenen Heiden, kalkreichen Sandrasen, feuchte Mähwiesen und Moore zu erhalten und später besser pflegen zu können. Das Land Brandenburg beabsichtigt, beide Projekte, die mit rund 3,8 Millionen Euro kalkuliert sind, aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) zu fördern.

„Die Wiederherstellung und Pflege der wertvollen Trockenrasen, offenen Grasflächen und Heide auf unseren Flächen ist überlebenswichtig für zahlreiche Arten, die vielerorts bereits nahezu ausgestorben sind. Der bedrohliche Rückgang der Artenvielfalt kann hier ein Stück weit aufgehalten werden. Wir freuen uns, dass das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg mit der Heinz Sielmann Stiftung an einem Strang zieht und die Arbeit der Stiftung unterstützt“, betonte Dr. Brickwedde.

Seltene Arten schützen

Konkret sollen in den nächsten Monaten bis zum Frühjahr Gehölze und Baumstubben gerodet und eine neue Technik zur Heideverjüngung angewandt werden. Auch Maßnahmen zum Schutz der Rotbauchunke und die Umnutzung und Herrichtung von früheren Schießanlagen als Winterquartiere für seltene Fledermäuse sind vorgesehen.

Von den Landschaftspflegemaßnahmen profitieren darüber hinaus auch andere im Offenland typische und seltene Vogelarten wie Steinschmätzer, Ziegenmelker, Wiedehopf und Schwarzkehlchen. Seltene Insekten, darunter viele Schmetterlings- und Wildbienenarten, finden hier ideale Lebensbedingungen. Pflanzen, die auf landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen verdrängt wurden, wachsen auf den mageren, offenen Sandböden.

Die Pflege der wertvollen Lebensraumtypen richtet sich nach der Verordnung des Naturschutzgebiets und resultiert aus Verpflichtungen der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie im europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000.

in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide sind voraussichtlich bis Ende Februar 2018 die Zugänge zur Döberitzer Heide in Krampnitz und an der Speckdammbrücke geschlossen. Grund dafür sind Landschaftspflegemaßnahmen zum Erhalt seltener und wertvoller Offenlandbiotope.

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatzgelände ist bei Pflegearbeiten nicht auszuschließen, dass sich noch Munitionsreste im Boden befinden. Deshalb muss beim Mähen oder Roden von Bäumen und Sträuchern ein ausgedehnter Sicherheitsradius eingehalten werden.

Die Heinz Sielmann Stiftung bittet um Verständnis bei den Besucherinnen und Besuchern der Döberitzer Heide, die im Südosten an den Eingängen Krampnitz und Speckdammbrücke ihre Wanderung beginnen wollen. Alle anderen Zugänge sind zurzeit frei zugänglich.

Durch die Maßnahmen soll der typische Charakter der offenen und halboffenen Landschaft wieder hergestellt bzw. erhalten werden. Davon profitieren solche für diese Landschaft typischen und seltenen Tierarten wie Heidelerche, Wiedehopf und Rotbauchunke. In den geschützten Feuchtwiesen, Trockenrasen und Heidekrautfluren sollen z. B. Wiesen-Schaumkraut, Karthäuser-Nelke und Graue Skabiose erhalten werden.

Die entsprechende Pflege richtet sich nach der Verordnung des Naturschutzgebiets und resultiert auch aus Verpflichtungen der Natura 2000-Richtlinien. Die Pflegearbeiten sind darüber hinaus mit dem Landesumweltamt abgestimmt.

Foto: Tanja Marotzke

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