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Für eine Welt ohne Krieg

Dr. Hedwig Raskob zum Welt-Friedenstag am 1.9.2016 in Potsdam

Eine gute Tradition, den 1. September zum Welt-Friedenstag zu machen, d e n  Tag, der 1939 der Anfang von unsagbarem Kriegsleid  für zig Millionen von Menschen war und von Ländern fast der halben Welt.

Gott sei Dank, die Zeiten ändern sich, und Deutschland hat seine Lektion gelernt. Es will sich heraushalten aus kriegerischen Konflikten und bekennt sich zur Nur-Selbstverteidigung. Dafür wird es allerdings auch gerügt. Deutschland wird aufgefordert, sich doch bitte besser an den jeweiligen Brennpunkten mit seiner Bundeswehr zu beteiligen. Die Politik unter dem einstigen Verteidigungsminister Peter Struck (1943-2012) changierte dann zwischen Selbstverteidigung und seiner Doch-Beteiligung an der Afghanistan-Offensive mit der Idee, Deutschland am Hindukusch verteidigen zu müssen !!

Deutschland liefert Waffen – made in Germany – auch in Länder, die im Krieg oder in euphemistisch so genannten bewaffneten Konflikten sind. Mit seiner freundschaftlich-finanziellen Unterstützung Israels, das laufend im Konflikt, auch immer wieder in militärischem, mit der palästinensischen Seite steht, macht es den Spagat zwischen: „an der Seite Israels stehen“ und angeblich doch neutral bleiben, möglich.

Eine rundum Erneuerung im Denken bezüglich der wohl größten Plage der Menschheit – nämlich Krieg führen und erleiden – hat noch nicht statt gefunden, nicht in Deutschland und nicht im größeren Teil der Welt. Es heißt da gerne lapidar: „Die Menschen sind nicht friedlich, sie wollen immer mehr haben als sie schon haben“. In der Tat:  Die Macht und das Sagen zu haben sind begehrliche Zustände.

Jedes Jahr erstellt das Institute for Economics and Peace (IEP) den Global Peace Index, gemäß den Ausgaben für militärische Zwecke. Dazu werden 163 Länder (die 99% der Weltbevölkerung darstellen) herangezogen. Deutschland lag 2016 wie 2015 auf dem 16. Platz – nicht gerade bei den vordersten Friedens-orientierten Ländern. Die friedlichsten 2016 in dieser Hinsicht, wie in vielen Jahren zuvor, sind Island (1) und Dänemark (2.),  wie gesagt: gemäß den Ausgaben für militärische Zwecke.

Gerne verweise ich in diesem Zusammenhang auf den Umstand, dass im Bundeshaushalt für direkte Friedensarbeit (die Gott-sei-Dank in Deutschland einen Etat hat, was nicht bei allen westlichen Ländern der Fall ist), gerade mal so viel Geld vorgesehen ist wie für die Hundehütten beim Militär.

Jetzt beim Redigieren des Vortrags sehe ich im „Blickpunkt“ der MAZ vom 3./4. Sept. 2016, dass auch eine Dänin als der neue Star Europas gesehen wird: Margarethe Vestager; sie ist in Brüssel die Kommissarin für Wettbewerbsfragen und war zuvor Wirtschaftsministerin und Innenministerin von Dänemark. Sie hat den Mut, und das mit Eleganz, z.B. ganze 13 Milliarden Steuernachzahlungen vom US Konzern Apple einzufordern und legt sich auch mit Google und anderen großen Konzernen in Finanzsachen an.

Ein Land, d.h. eine Kultur, die mich fasziniert, das sind die Waitaha von Neuseeland, die nie Kriege geführt haben. Winfried Altmann von Berlin hat sie besucht – und ein wunderbares Buch über sie herausgegeben und darin ihre Erzählungen, Lieder, Bräuche, Gebete festgehalten: Song of Waitaha. Das Vermächtnis einer Friedenskultur in Neuseeland.

Die Waitaha kamen um 200 u.Z. von den Osterinseln nach Neuseeland. Sie nahmen immer eine gleiche Anzahl von Frauen und von Männern mit auf ihre Expeditionsreisen. Ihre Kultur ist gezeichnet von Achtung der Geschlechter: Männer und Frauen sind gleichermaßen geachtet, bei unterschiedlichen Aufgabengebieten. Die Kinder genießen eine besondere Achtung, Fürsorge und Bildung.  Als später, im 13. Jahrhundert etwa, die Maori ins Land kamen, war der Traum vom friedlichen Leben allerdings ausgeträumt.

Auch in unserer westlichen Kultur sind die Impulse für Frieden vorhanden. Ich denke nicht nur verbal. Denn die Männer, die die folgenden Aufforderungen machen, wissen was Kriegseinsatz bedeutet.

Ich zitiere ein paar bekannte Persönlichkeiten, aus Geschichte und Gegenwart: John F. Kennedy (1917-1963)

Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende.   Und Carl Friedrich von Weizsäcker hat 1986 in Reyjavik an die Welt und ihre Führer appelliert: „Wacht auf zu der Erkenntnis, dass die Institution des Krieges überwunden werden muß.“

Hans Peter Dürr (1929-1914); München,  Physiker und beredter Friedensaktivist: Materie ist nicht gleich Materie. Geist ist in allem. We have to learn to think in a new way:  Liebe (ist die)  Urquelle des Kosmos.

Willy Brandt   (1913–1992): Nicht der Krieg, der Frieden ist der Vater aller Dinge.

Albert Einstein (1879-1955), sagt in seiner unverblümtem Art in etwa: Ich weiß nicht, wie der dritte Weltkrieg geführt wird, aber das weiß ich:  den vierten Weltkrieg  wird man nur noch mit Keulen und Steinen führen können.

Und es gibt viele Gruppen, die sich aktiv der Friedenssicherung widmen, sogar unter den Militärs.  Bundeswehroffiziere haben sich 1983 unter dem Titel Darmstädter Signal gegen die Nachrüstung mit Atomraketen in West- und Ost-Europa gewandt und prägten den freundlichen Begriff für Soldaten: Staatsbürger in Uniform.

Berufsbezogene Friedensgruppen bildeten sich zu der Zeit, z.B.

– Künstler für den Frieden.
– Friedensinitiative der Architekten und Planer e.V.  u.v.a.
– „Cap Anamur“ steht für Rupert Neudeck, der im Mai ds. J. verstorben ist, er hat zusammen mit seiner Frau Christel und Heinrich Böll 1979 mit mutigem Einsatz ungezählte Bootsflüchtlinge von Vietnam gerettet.
– Frauen für den Frieden, in Bonn ansässig, sind auf alle Fälle heute noch aktiv.

Zum Schluss möchte ich zwei Dinge ins Bewusstsein rufen:

– Wo das Wort Friede herstammt: es stammt aus dem Mittelhochdeutschen und geht auf das Leben in Sippen zurück. Frieden  gehört zur gleichen indogermanischen Wurzel wie  l i e b e n.  So das Etymologische Wörterbuch der Deutschen Sprache nach Mackensen.  „Eingefriedet“ ist uns noch in unserem Sprachgebrauch geblieben.
– Und: Mein vielfach ausgesprochenes Plädoyer für die Fortentwicklung des Friedensbewusstseins und der Realisierung einer Kultur des Friedens (Dominikus Rohde, der Begründer der Schengen Peace Foundation hatte die Idee dafür.):

Das Kriegsministerium des 19. Jahrhunderts ist Vergangenheit. Und das Verteidigungsministerium des 20. Jahrhunderts soll jetzt im 21. Jahrhundert ersetzt werden durch ein funktionstüchtiges F r i e d e n s m i n i s t e r i u m,  das ernsthaft aktiv wird für Gerechtigkeit und Frieden in unserer Welt.

(Dr. Hedwig Raskob lebt in Marquardt und istMitbegründerin der Friedensspirale)

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