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Familiengerichte überfordert

Mangelt es an Kompetenz oder Motivation? An Beidem!

Mann wundert sich, ist frustriert, versteht die Welt nicht. Aber das ist kein fortwährendes Missverständnis, das ist ein gut eingespieltes System, nur leider ein sehr väterfeindliches. Oder, um es konkreter zu fassen, ein System, das nach wie vor grundsätzlich davon ausgeht, dass die Kinder zur Mama gehören und Papa die Rolle des Ernährers hat. Hört sich nicht so schlimm an, ist es aber, wenn es in der mütterlichen Wahrnehmung als Einladung oder Steilvorlage verstanden wird, die Kinder nach der Trennung gegen den Papa zu instrumentalisieren. Wenn das Familiengericht, so wie Mann das erwarten würde, dem beherzt entgegentreten und die Mamis, die blind vor Wut oder mit eiskaltem Kalkül über die Stränge schlagen, in die Schranken weisen würde, dann wäre das erträglich. Tatsächlich zieht sich aber das FamG auf eine vermeintlich neutrale Position zurück und überlässt das Feld schon gern mal Gutachtern, die leider i.d.R. einen grottenschlechten Job machen (und nun werden wieder alle ohnmächtig aufschreien, aber diese Einschätzung kommt von professioneller Seite und ist hinlänglich bekannt in deutschen Fachkreisen) oder Verfahrenspflegern, die so schlecht bezahlt werden, dass es keinen wundert, da für ihre Tätigkeit bis heute nicht einmal eine Grundqualifikation vorlegen müssen, dass einem schwant, dabei kann nichts Gutes herauskommen. In der Praxis erlebt man diese Damen, i.d.R. sind es welche, als zusätzliche Unterstützung der Mütter, die väterlichen „Kompetenzen“ äußerst skeptisch begegnen.

In vier Jahren zweifelhaften Vergnügens bei den verschiedensten Richterinnen des Potsdamer Familiengerichtes bin ich nicht einmal ausführlich zu Wort gekommen. Und das bestätigen die Vielzahl der Väter, mit denen ich mich in den letzten zwei Jahren dazu ausgetauscht habe. Es scheint Standard, dass dem Vater ins Wort gefallen wird, dass sein Schrei nach Gerechtigkeit von den Damen im Saal müde belächelt wird. Dass den Müttern kein Lüge zu ungeeignet erscheint, um ihre Position ins rechte Licht zu rücken und den Papa zu diskreditieren scheint ebenso akzeptabel und gewohnt wie das Verständnis der sogenannten Familienanwältinnen: eine passable Umgangsvereinbarung ist eh das maximale, das erreicht werden kann, also signalisieren wir doch gleich, dass wir bereit sind, die Kinder zu verlieren, Hauptsache wir dürfen sie ab und an mal sehen. Die Damen verstehen sich also prächtig. Den Auftritt des Jugendamtes könnte man sich völlig sparen, substanzielle Beiträge sind nicht zu erwarten, egal wie engagiert sie mal argwöhnisch die väterliche Wohnung kontrolliert haben, die Meinung ist eh vorgefasst und solide gefestigt. Mama ist die Gute und Papa hat sowieso keinen Plan. Um dem Ganzen den sachten Anstrich von Geschlechterneutralität zu geben, gibt es, das erstaunt, überwiegend männliche Gutachter. Leider haben die aber auch eine eher meinungs-konforme Arbeitsweise, wenn sie bspw. einer Telefonassistentin die höhere Förderkompetenz für die Kinder gegenüber dem studierten Familienvater zusprechen, aber väterliche Bagatellen zu systembestimmenden Vergehen aufbauschen und somit dafür sorgen, dass der Papa, der natürlich am Ende das Gutachten bezahlt, dankenswerterweise einige Tausend Euro für seine eigene Vernichtung zu zahlen hat. Die Mamas, meist in gesicherten, vermeintlich schlechter bezahlten Jobs, bekommen natürlich Prozess- oder Verfahrenskostenhilfe und so muss ja am Ende einer die Zeche bezahlen, der Staat sicherlich nicht. Wo wäre da Gerechtigkeit oder Fairplay zu erwarten? Nirgends, nicht ansatzweise am Horizont. Aus dem System heraus ist es nahezu unmöglich für die Väter, ihre Kinder nach der Trennung gleichberechtigt zu betreuen oder zu erziehen. Instinktiv machen sie die entscheidenden Fehler gleich zu Beginn der Trennung, sie trennen sich, nicht nur von der Mama, sondern auch von den Kindern, zunächst räumlich und dann gibt es kein Zurück mehr. Und Mama macht instinktiv alles richtig, sie bleibt im Haus zurück, die Arme, mit den Kindern. Und das war´s !

Ratgeber: Ziehe niemals aus Deinem Haus aus !

Auch nicht mal so oder vorübergehend, es wird immer endgültig sein. Frauen haben das am Ende einfach besser drauf, und kaum schaust du dich um, wohnt da ein Neuer und der wird deinen Kindern als der neue, viel bessere Papi präsentiert, dann werden die heiligen Orte entweiht, es wird genau in das Urlaubsquartier gefahren, wo wir immer früher waren, Candle light dinner bei unserem Italiener etc., Mann kennt das. Sollte der nach Jahren Rumgeningle und Unzufriedenheit der Gattin, die einfach mehr erwartet hatte von ihrem einstigen Prinzen, völlig entnervte Mann nicht von allein auf die Idee der Trennung kommen, dann wird halt solange der häusliche Terror auf Eskalation gefahren bis es irgendwie mal knallt, ob es dann die Küchentür oder eine i.d.F. mehr als berechtigte Ordnungsschelle ist, sofort kommt die Gewaltschutzklage, denn nur darauf lief es hinaus, und raus ist er, der Alte. Das geht quasi über Nacht, schon steht der Gerichtsvollzieher vor der Tür und du hast 20min, die nötigsten persönlichen Sachen zu packen und dann stehst Du auf der Straße. Wenn sich dann kurze Zeit später heraus stellt, das Ganze ist so gar nicht gewesen und die Furie von Mutter ist auf den Vater losgegangen, die Dunkelziffer häuslicher Gewalt von Frauen gegenüber Männern wird in Fachkreisen als erheblich eingeschätzt, na dann wird das Thema vor Gericht halt abgetan, nun ist es halt passiert. Aber ist schon besser so. Mama hat die Kinder, das ist die Hauptsache.

Also woran krankt das System? Warum können nicht schon in einer frühen Phase Mediatoren helfen oder Anwälte Vereinbarungen organisieren, ohne das Gericht bemühen zu müssen? Weil die Professionen nicht ansatzweise ein Interesse an der Deeskalation haben, sie leben ja vom Streit. Das macht bei 200.000 Trennungen im Jahr multipliziert mit rd. 10.000,- EUR für ein einfaches Verfahren, bei dem es aber selten beibt, mal eben stattliche 2.000.000.000. Eine ganze Berufswelt, die von Gesetzen lebt, die auf Streit zugeschnitten sind. Deshalb werden sich die Bilderberger von Deutschland auch noch so lange wie irgend möglich sträuben, das Wechselmodell einzuführen oder gesetzlich zu verankern. Man stelle sich mal vor, der Staat würde die finanzielle Verantwortung für die Kinder übernehmen, da ist es doch sehr viel komfortabler, die Väter auszuknocken. Ebensowenig wird der Staat die Steuergesetzgebung vereinfachen. Von dem Irrsinn lebt schließlich das vorgeschaltete Inkassosystem des Finanzamtes, die Steuerberater. Da hängen viele Arbeitsplätze dran, was sollten die sonst alle machen ? Flüchtlingsanträge bearbeiten etwa ?

Das mag nach Frust klingen und meine Begeisterung hält sich tatsächlich in Grenzen, aber es gibt viele gute Ideen, die ernsthaft in Erwägung gezogen werden können. Würde der Staat das Kindergeld deutlich erhöhen, nämlich bspw. über den Satz, den es als Unterhaltsvorschuss gibt, das wären ca. 150,- EUR zu den bisherigen rd. 190,- EUR, dann wäre die Grundsicherung erreicht und das Thema wäre merklich entschärft.

Zusätzlich müssten, entsprechend ihrem Betreuungsmodell, die Eltern finanzielle Verantwortung übernehmen, wozu ihnen ihr Einkommen reichen sollte, vereinbaren müssten sie dies selbst. Das Kindergeld würde ebenso anteilig ausgezahlt werden und nicht wie bisher nur an den Elternteil, bei dem die Kinder ihren sogen. Lebensmittelpunkt haben, weil das natürlich heute der entscheidende Zankapfel ist.

Und ein großer Segen wäre sicherlich, wenn im Jugendamt statt verbissenen entnervten kampf-feministischen Verwaltungsakrobatinnen, Hobbypsychologen und Teenagern, die ihren ersten Praxiserfahrungen mit ihren Mediatotenweiterbildungen sammeln wollen, wenigstens einige normal denkende Mitarbeiter eingestellt werden würden, die überhaupt in der Lage sind, eine Situation zu analysieren und sich auch mal auf den Weg machen, bevor die Kindeswohlgefährdung zum Äußersten gediehen ist.

Und der letzte Tipp: Sparen Sie sich Dienstaufsichtsbeschwerden, weder die Präsidentin des Familiengerichtes noch der Chef des Jugendamtes, noch der Leiter Recht, Personal und Organisation der Landeshauptstadt Potsdam interessieren sich für Ihre Anliegen. Ihre Beschwerden werden, wenn sie überhaupt irgendwann beantwortet werden, nur mit bürokratischen Nonsens abgewiegelt.

Martin-Max Zühlke, Initiative Wechselmodell, Vater von 3 Töchtern

Die Redaktion des Hevellers betont, dass Leserbriefe ausschließlich die Meinung ihrer Autoren wiedergeben.

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