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„Es rettet uns kein höh`res Wesen

 Die Welt vor 100 Jahren

 Die unglaubliche Geschichte der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution!

von Hans Groschupp

W. I. Lenin

Zar Nikolaus II.

Am Ende des Deutsch – Französischen Krieges 1870/71 wurde in Paris die erste sozialistische Revolution nieder kartätscht . Der Dichter Eugène Pottier war dabei und schrieb einen Text, den der Begier Pierre Degeyter 1888 mit einer Melodie versah, die Hymne der Sozialisten, die „Internationale“. Emil Luckhardt schuf 1910 eine deutsche Fassung.

„Internationale“ nannte sich ein 1864 von Karl Marx  gegründeter internationaler Zusammenschluss von Arbeiterorganisationen.

Im September 1915 treffen sich 37 Vertreter sozialdemokratischer, sozialrevolutionärer und kommunistischer Organisationen im Schweizerischen Zimmerwald zu einer Konferenz, um die zweimal gescheiterte „Sozialistische Internationale“ neu zu organisieren. Der Deutsche Karl Liebknecht fehlt, er hatte im Reichstag als Erster gegen die Bewilligung der Kriegskredite gestimmt. Nun wird er vom Kaiser dafür mit Fronturlaub belohnt. Als führend im antimilitaristischen Kampf gilt der Russe Lenin, der anwesend ist, wie auch die Ukrainer Sinowjew und Trotzki, der Pole Radek, der Lette Bersin u.a. Lenins Bedeutung an der Konferenz ist gering. Einheit besteht in der Forderung nach einem Frieden ohne Annexionen. Das Manifest der Konferenz schreibt Trotzki. Zum Abschluss wird die Internationale gesungen.

„Wacht auf, Verdammte dieser Erde,
die stets man noch zum Hungern zwingt!
Das Recht wie Glut im Kraterherde
nun mit Macht zum Durchbruch dringt.
Reinen Tisch macht mit dem Bedränger!
Heer der Sklaven, wache auf!
Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger
Alles zu werden, strömt zuhauf!
Es rettet uns kein höh’res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!
Refrain: Völker, hört die Signale!
Auf zum letzten Gefecht!
Die Internationale
erkämpft das Menschenrecht. „
(Text gekürzt)

Lenin glaubte 1915 nicht mehr daran, eine russische Revolution noch zu seinen Lebzeiten erleben zu können, wie er Schweizer Arbeitern erzählte.

„Er saß in der Schweiz und schrieb Artikel, die über die Emigrantenkreise nicht hinauskamen. Er war von Russland vollständig abgeschnitten, eingepfropft wie in einer Flasche. So war es auch mit Trotzki in Paris…“

Da sich die russischen Revolutionäre im Fadenkreuz der Geheimdienste befanden, erscheint es rätselhaft, dass es dennoch zur Revolution im November 1917 kam.

Die Bedeutung der G.S.O.

Im Wörterbuch der Geschichte (DDR) lesen wir detailliert und umfangreich über die Große Sozialistische Oktoberrevolution, ihren Verlauf und ihre Bedeutung: „Die G.S.O. war ein unausbleibliches  Ergebnis der Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung; durch die Verschärfung der antagonistischen Widersprüche in der Epoche des Imperialismus war die sozialistische Revolution objektiv auf die Tagesordnung gesetzt…In der G.S.O. wurde durch den Sturz der Ausbeuterherrschaft und die Errichtung der Macht der Arbeiterklasse auf einem Sechstel der Erde der Grundwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit gelöst…“

Einen Namen nennt die DDR-Literatur nicht: Alexander Parvus. In sowjetischen Publikationen fehlt er ebenso. Das ist ungerecht, denn dem Nationalökonomen und promovierten Philosophen ist es zu verdanken, dass die Völker die Signale doch noch hörten und sogar ein Kaiser.

Der Weltkrieg

Seit Ende Juli 1914 befand sich Europa und die halbe Welt im Krieg. Kriegsparteien waren die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn auf der einen und die Entente mit Frankreich, Russland und Großbritannien auf der anderen Seite. Keine der Krieg führenden Parteien vermochte entscheidende Vorteile und Bodengewinne zu erlangen. Bulgarien schloss sich 1915 den Mittelmächten an. Das Osmanische Reich war geheim mit Deutschland verbunden. So meldet Anfang 1915 der deutsche Botschafter Hans Freiherr von Wangenheim aus Istanbul, ein Russe sei an ihn herangetreten mit einem ausgearbeiteten Szenarium für eine Revolution in Russland, die dem deutschen Interesse einer Beendigung der Ostfront dienlich sein könnte.

Who is who?

Alexander Parvus ist den europäischen Geheimdiensten kein Unbekannter mehr, auch nicht dem russischen. Die Ochrana, fahndet in ganz Europa nach ihm. Aber man wird seiner nicht habhaft, ebenso wenig eines gewissen Lenins, der 1903 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands in die Menschewiki und die Bolschewiki gespalten hatte und letztere anführt. Irgendwo in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder Frankreich wähnt man beide. Sie haben sich den Sturz des Zaren auf den Zettel geschrieben, waren beide bereits in Gefängnissen und Verbannungen. Lenin lebt 1915 mit seiner Ehefrau Nadeschda Krupskaja unerkannt in Zürich.

Parvus ist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und mit Rosa Luxemburg befreundet. Parvus ist aber ebenso wenig Parvus, wie Lenin Lenin!

Alexander Parvus

Parvus ist der weißrussische Jude Dr. Israil Lasarewitsch Gelphand (anglisiert Helphand), geboren 1867 in Beresino. Er wuchs in Odessa auf und studierte in der Schweiz Nationalökonomie und Philosophie. Über den Exilanten Gregori Plechanow, den russischen Marx, lernte er Trotzki kennen, welcher wiederum der ukrainische Jude Lew Dawidowitsch Bronstein ist. Die Genannten waren die Macher der unvollendeten Russischen Revolution von 1905.

Lenin ist 1870 in Simbirsk geboren. Er heißt mit bürgerlichem Namen Wladimir Iljitsch Uljanow. Sein Vater, ein Mathematikprofessor und späterer Inspektor wurde vom Zaren geadelt. Lenins Bruder Alexander hatte sich einer revolutionären Gruppe angeschlossen, die den Zaren ermorden wollte. Er flog auf und wurde hingerichtet. Lenin studierte in Kasan, musste aber wegen seines Bruders die Universität verlassen. Sein Lehrer Fjodor Kerenski sagte später aus, dass Lenin ein Musterschüler war. Er ist der Vater des späteren Chefs der Provisorischen Regierung Alexander Kerenski. Nach Gefängnisaufenthalten heiratet Lenin vor der Verbannung Nadeschda Krupskaja. Sie folgt ihm bis an sein Lebensende.

„Die Idee wird zur materiellen Gewalt“ oder zu Vermögen

Auch Helphand kommt in Haft und Verbannung. Ihm gelingt die Flucht nach Europa. Frau und Kind lässt er zurück. Zusammen mit Lenin und Plechanow gibt er die Zeitung „Iskra“ heraus. Sie wird nacheinander in Leipzig, München und London gedruckt. Ab 1894 nennt sich Helphand Alexander Parvus. Unter diesem Namen schreibt er in der Leipziger Volkszeitung, der Sächsischen Arbeiterzeitung und der Neuen Zeit. Die Auflagen sind groß. Parvus gründet eine eigene Druckerei.

Karl Kautsky

Er lernt in Stuttgart den Papst der Sozialdemokratie Karl Kautsky kennen. In einer Agentur verwaltet Parvus die Tantiemen russischer Exilschriftsteller. Als Maxim Gorki 180 000 Goldmark einklagt, die ihm noch zustünden, kommt es zum Eklat. In einem internen Parteigericht schließen Kautsky, Liebknecht und Clara Zetkin Parvus aus der SPD aus und bezahlen Gorki die Tantiemen aus der Parteikasse. Zudem muss Parvus als unerwünschter Ausländer Deutschland verlassen.

Journalist und Waffenhändler

Der Geschasste macht ab 1910 in der Türkei Karriere. Er gründet mehrere Zeitungen und nähert sich der Bewegung der Jungtürken um Enver Pascha an. Parvus wird Partner eines Waffenhändlers und knüpft Millionengeschäfte mit Krupp und dem britischen Konzern Vickers. Nach dem Kriegsausbruch unterstützt Parvus publizistisch die

Rechtfertigung des deutschen Kaisers, einen Krieg aufgezwungen bekommen zu haben. Der Kampf gegen den Zarismus muss die Arbeiterparteien wieder zusammenschließen, sagt Parvus:

„Wer die Ursachen des Krieges in diplomatischen Intrigen sucht und danach eine Schuld bemisst, hat aufgehört, sozialistisch zu denken.“

Das ist zu viel für Trotzkis Weltsicht. Er bricht für immer mit Parvus. Die europäischen Linken, außer Lenin, erklären sich zu Pazifisten. Arbeiter dürfen nicht auf Arbeiter schießen. Neben Parvus denkt nur Lenin darüber nach, wie die Kriegumstände günstig für eine Revolution in Russland sein könnten.

Kaiser Wilhelm II.

Memorandum einer Revolution

Im Februar 1915 wird Parvus in Berlin empfangen. Seinen mündlichen Darlegungen im Auswärtigen Amt folgt am 7. März 1915 ein 20 Seiten langes „Memorandum zur Organisation einer Revolution in Russland“. Neben propagandistischen Vorbereitungen, regionalen Komponenten, Streikaufrufen, wird auf eine schnelle Kontaktaufnahme mit der bolschewistischen Fraktion in der Schweiz gedrungen.

Der Plan wird von deutscher Seite angenommen. Die ersten zwei Millionen werden Parvus auf ausländische Konten überwiesen. Er sieht sich, anders als die SPD –Genossen, nicht als einen deutschen Agenten. SPD-Vorsitzender Hugo Haase schießt dabei den Vogel ab, und erklärt Parvus für einen russischen Agenten. Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Clara Zetkin wollen mit Parvus, einem „Zuhälter des Imperialismus“, nichts mehr zu tun haben.

Im Mai ist Parvus bei Lenin in Zürich. Die wenigen überlieferten Aussagen über diese Begegnung hat die Wiener Publizistin Elisabeth Heresch in ihrem Buch „Geheimakte Parvus“ zusammengefasst und kommentiert. Lenin sagte nicht zu, aber auch nicht ab.

Parvus schreibt über seinen Besuch bei Lenin später: „Ich legte ihm meine Ansichten über die sozialen und revolutionären Folgen des Krieges dar und warnte ihn gleichzeitig, dass während dieser Zeit eine Revolution nur in Russland möglich sei, und zwar nur als Ergebnis eines deutschen Sieges.“

Das große Geschäft mit dem Krieg

Parvus lässt sich im neutralen Dänemark nieder, zieht nun von Kopenhagen aus alle Fäden, stellt Agenten ein, schmuggelt Propagandamaterial nach Russland. Er gründet eine Export-Import-Firma, mit der er in zwei Jahren astronomische Gewinne erzielt. Seine politische Arbeit tarnt er im „Institut der sozialen Folgen des Krieges“. Seine Handelsfirma baut sukzessive Filialen in ganz Europa auf. Er handelt mit rumänischem Getreide, anatolischer Baumwolle, mit kriegswichtigen Metallen und mit der knapper werdenden Kohle, beteiligt sich am Walfang und transportiert Waffen und Sprengstoff. Bald hat er dafür sogar eigene Schiffe. Sogar mit Russland macht er Geschäfte. Sie werden von seinem Partner Jakub Ganetzki abgewickelt, dem polnischen Juden Jakow Fürstenberg, der gleichzeitig Verbindungsmann zu Lenin ist. Als Ganetzki aus Dänemark ausgewiesen wird, bekommt  Parvus einen deutschen Aufpasser, den Mitarbeiter der militärischen Abwehr Georg Sklarz an die Seite gestellt, der sich frei am Unternehmen beteiligt. Parvus will die verlorene deutsche Sozialdemokratie zurückgewinnen. Er gibt die deutsche Wochenschrift „Die Glocke“ heraus und erklärt seine Mission, das bewaffnete deutsche und das revolutionäre russische Proletariat zu vereinen. Luxemburg lehnt diese Mission bei gleichzeitigem Millionen schaufeln im neutralen Dänemark ab. Lenin nennt Parvus Missionsartikel eine Possenreißerphrase.

Zar Nikolaus II. dankt ab

Die im Januar 1916 geplante Revolution findet trotz des organisierten großen Streiks in Petrograd aus Anlass des Blutsonntags 1905 nicht statt. Kein Funke springt über. Die Revolution wird verschoben. Deutschland offeriert 1916 der Entente ein Friedenangebot. Es wird von dieser abgelehnt.

Zar Nikolaus bezahlt Waffen aus England mit Gold und übernimmt die Kontrolle seiner Generäle an der Front. Im Volk und in der Duma rumort es. Der deutsche Gesandte von Stoedten kabelt nach Berlin, dass in Russland eine mächtige Umwälzung bevor stünde. Ein provisorisches Führungskomitee aus den Arbeiter-und Soldatenräten und der Duma werde gebildet. Hunderttausende legen in Petrograd die Arbeit nieder und rufen: „Brot! Frieden! Nieder mit der Regierung!“  Als Nikolaus mitgeteilt wird, dass man seine Minister zum Rücktritt zwinge, eilt mit seinem Sonderzug nach Petrograd. Der Zug bleibt auf einem Nebengleis stecken. Nikolaus erkennt die Zeichen der Zeit. Noch aus dem Zug meldet er seine Abdankung. Fürst Georgi Jewgenjewitsch Ljow wird neuer Regierungschef. Parvus jubelt und geht nun daran die gemäßigte Regierung zu stürzen, da sie am Krieg gegen Deutschland festhält. Ein radikaler Führer muss kommen, Lenin. Der New Yorker Trotzki hat sich schon auf den Weg gemacht, wird aber im kanadischen Halifax festgehalten, da die USA kurz vor dem Kriegseintritt stehen. Lenin wird kribblig, er schreibt an Ganetzki in Schweden, ihm Reisepapiere zu verschaffen. Parvus seinerseits, hat das über den deutschen Botschafter längst geregelt und schickt Georg Sklarz nach Zürich. Lenin ist einverstanden.

Lenin kommt

Gemeinsam mit 40 Mitstreitern startet Lenin am 9. April seine Reise nach Petrograd, durch Deutschland, über Schweden und Finnland. Mit dabei sind seine Frau und seine französische Freundin Inessa Arnand, sowie Sinowjew, Radek u.a. Der Zug wird von Offizieren und Wachpersonal begleitet. Zweimal gibt es längere Aufenthalte. Über die beiden längeren Zwischenstopps in Berlin und Saßnitz ist wenig bekannt. In Stockholm möchte Parvus Lenin treffen. Der Führer der Bolschewiki lehnt ab. Am 16. April 1917 trifft Lenin am Finnischen Bahnhof in Petrograd ein und wird frenetisch von den Massen begrüßt. Lenin verkündet sofort, dass er nicht mit den Menschewiki zusammenarbeiten werde und dass es gelte, den Krieg zu beenden. Jedoch drängelt Deutschland jetzt nicht mehr. Lenin solle erst einmal in die Regierung. Und so ruft Lenin aus: „Alle Macht den Sowjets!“

Im Mai trifft Trotzki ein. Kerenski, inzwischen Kriegsminister, beschließt eine Frühjahrsoffensive gegen die Mittelmächte und Lenin plant nach dem zu erwartendem deutschen Gegenangriff den bewaffneten Aufstand in Petrograd.

Scheitern der Revolution und Flucht

Was zu befürchten war, geschieht, Lenin wird als deutscher Agent enttarnt. Wie konnte er ungehindert durch Deutschland reisen, fragt Justizminister Perewerzew. Es werden Haftbefehle erlassen. Lenin und Sinowjew können nach Finnland fliehen. Es beginnen nun von allen Lagern Pressekampagnen. Wer hat was getan, wer ist nun ein Agent und wer nicht. Lenin bestreitet von Parvus jede Hilfe angenommen zu haben. Parvus leugnet die deutschen Absprachen usw. Ganetzki beschuldigt Parvus auch der deutschen Komplizenschaft, dementiert aber wenig später. Sogar SPD-Chef Haase bringt sich in Position, wettert erst los und wird danach auch leiser. Zwischen allen Dementis liegen Depeschen Israil Helphands, des Drehbuchschreibers der Oktoberrevolution.

Ohne Schaden bleibt nur Trotzki. Er kann seinen Bruch mit Parvus durch Artikel seiner Pariser Zeit belegen.

Knappes Endspiel

Anfang Oktober 1917 dringt die Nachricht zu Lenin, dass Österreich-Ungarn in England die Bedingungen eines Separatfriedens mit Russland sondiere. Würde Russland von selbst Frieden machen, fehlte den Bolschewiki das Friedensargument. Das wäre das „Aus“ für einen Umsturz. Der eingeweihte Kerenski, nun Regierungschef, weiß das auch. Lenin  muss jetzt aktiv werden, um seine Chance nicht zu verpassen. Kosakengeneral Kornilow soll die Bolschewiki von Petrograd fernhalten. Der will das machen, aber nur, wenn sich ihm Kerenski unterordne. Er probiert also den Putsch und verliert. Vor anstehenden Wahlen soll am 7. November ein Kongress der Sowjets stattfinden. Lenin weiß, dass die Bolschewiki von einer Mehrheit weit entfernt sind: „Es wäre naiv, die formelle Mehrheit der Bolschewiki abzuwarten. Keine Revolution wartet das ab. Die Geschichte wird uns nicht verzeihen, wenn wir jetzt nicht die Macht ergreifen…“ Lenin kehrt Anfang Oktober nach Petrograd zurück. Alles liegt nüchtern vor Augen. Der späteste Termin der Revolution kann nur der 7. November 1917 sein. Und er wird wahrgenommen und die Revolution gelingt. Trotzki, der sich mit Lenin ausgesöhnt hatte und den Bolschewiki beigetreten war, gründet schnell ein militärisches Revolutionskomitee, das sich die „Rote Garde“ nennt. In der Nacht zuvor marschiert ein Trupp Rotgardisten zum kaum bewaffneten Winterpalais, wo die Duma tagt. Es fällt kein Schuss. Kerenski flüchtet. Die Revolution hat fast unbemerkt gesiegt. Am nächsten Morgen flattern Flugblätter über Petrograd. Die Regierung sei gestürzt. Die Staatsgewalt sei in die Hände des Rates der Arbeiter und Soldatendeputierten übergegangen. Eine Sowjetregierung würde gebildet werden. Es lebe die Revolution der Arbeiter, Soldaten und Bauern.

Parvus erlebt in Wien, wie die Sozialdemokratie, die „Revolution zum Frieden“ bejubelt. Wieder in Stockholm teilt er Radek mit, dass er wieder zurück nach Russland möchte. Lenin lehnt ab und lässt ausrichten: „Die Revolution dulde niemanden, der schmutzige Hände hat.“ Die Friedensverhandlungen verlaufen kompliziert. Russland muss doch Gebietsabtretungen hinnehmen. In der westlichen Presse wird nun vermehrt auf die Umtriebe des Dr. Parvus hingewiesen. Schon vor der Abdankung, des deutschen Kaisers lässt man ihn fallen. Elisabeth Heresch sagt es in ihrem Buch mit Shakespeare: „Der Moor hatte seine Schuldigkeit getan.“

Lenin, ein Jahr nach der Revolution: „Ich werde des Öfteren beschuldigt, in der Revolution mit Hilfe deutschen Geldes gesiegt zu haben. Diese Tatsache habe ich nie geleugnet- noch tue ich das jetzt. Ich will jedoch hinzufügen, dass wir mit russischem Geld eine ähnliche Revolution in Deutschland inszenieren werden…“

 

Quellen:

–  Heresch, Elisabeth: Geheimakte Parvus, Die gekaufte Revolution. München 2000

–  Parvus: Im Kampf um die Wahrheit. Berlin 1918

– Trotzki, Leo: Mein Leben. Berlin 1929

–  Sayers, Michael, Kahn,Albert, E.: Die große Verschwörung. Berlin 1952

–  Die Kerenski-Memoiren: Russland und der Wendepunkt der Geschichte. Wien/Hamburg 1966

 

 

 

 

 

 

 

 

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