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4. Januar 2018
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4. Januar 2018

„Einbrecher-König“ beriet in Potsdam

Talk-Runde „Räuber und Gendarm“ in der Potsdamer Wissenschaftsetage

Peter Zingler, war einer der meistgesuchten Einbrecher. Ende November wurde er bei einer Talk-Runde in der Wissenschaftsetage des Bildungsforums Potsdam, Am Kanal 47, als Gast begrüßt. Der prominente Profieinbrecher, der zwölf seiner bisher 73 Lebensjahre in Gefängnissen mehrerer Länder verbrachte, wurde zu einem erfolgreichen Schriftsteller sowie Drehbuchautor. Er berät zudem, wie man sich am besten gegen Einbruchdiebstähle schützen kann.

Wenn man parterre wohnt, müssen Fenster und Türen anständig gesichert sein, in oberen Etagen nur die Tür, wenn es keine gut zu erkletternde Balkone gibt. Eine Tür sollte nicht aus Pappe sein und einen anständigen Eisenrahmen haben. Ansonsten nütze auch das Schloss nichts. Man brauche ein glattes Zylinderschloss, so dass es der Einbrecher nicht rausdrücken kann. Die Tür sollte auch in dem inneren Rahmen aus Metall sein. Ein Profi geht dahin, wo sie wissen, dass es was zu holen gibt, oder wo es ersichtlich ist.

Peter Zingler erklärt dazu, dass wenn jemand keine Angst hat, erwischt zu werden, er sehr schnell kriminell wird. Jeder sei kriminell, es ist nur eine Frage des Preises. Er stehe wenigstens dazu.

„Hätte ich mit 14 gewusst, dass ich ein Schriftsteller werde, hätte ich das mit dem Klauen vielleicht gelassen“, sagt er heute. Schon als Kind hatte er im zerbombten Köln das Klauen gelernt. „Fringsen“ nannte man im Köln der Nachkriegszeit das Stehlen, angelehnt an einen Ausspruch des damaligen Erzbischofs Josef Frings, der den Diebstahl von Kohlen zum Zweck des Überlebens billigte. Als Vierjähriger schaffte er im harten Nachkriegswinter 1947 für Tabakschmuggler an und ging in der Trümmerlandschaft von Köln ›fringsen‹.

Aus Angst, von den anderen nicht anerkannt zu werden, stahl er in einer Jugendbande Motorräder, Autos und Geld aus Automaten. Mit 15 Jahren landete er erstmals hinter Gittern – im Jugendarrest. Später als Berufseinbrecher in Teppichläden, Pelz-, Juweliergeschäften und Galerien gingen rund 150 geglückte Einbrüche auf sein Konto. Als ihm Sicherheitsverwahrung angedroht wurde, bekam er einen Sinneswandel. Was er als Einbrecher erlebte, erzählt Peter Zingler in seinen autobiografischen Romanen „Im Tunnel“ und „Vom Tunnel zur Himmelsleiter“. Er verarbeitete die Erlebnisse inzwischen auch in 80 Drehbüchern, 21 davon für die „Tatort“-Folgen ebenso wie für den Zweiteiler „Die Himmelsleiter“.

G.S.

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