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Ein Prost für Waltraud Jahnke zum 90.

Erinnerungen an das Paarener Rohrhaus und die Gutsherrschaft

Waltraud Jahnke feiert ihren 90. Geburtstag in Paaren, dem einen Ort, welcher 1961 zum Doppeldorf Uetz-Paaren und 2003 als Ortsteil nach Potsdam „per Dekret“ eingemeindet wurde und nun sozusagen eines der Eingangstore der Landeshauptstadt ist.

Zu ihrem Geburtstag hat sich so auch der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam Jann Jakobs als Gratulant angemeldet. Na dann Prost! Zum 90. kündigten sich aber auch der Ortsvorsteher, der Seniorenverein Falkenrehde, in dem die Jubilarin schon seit vielen Jahren aktiv ist und noch viel mehr Freunde an. Waltraud Jahnke gehört schließlich zu den bekanntesten und ältesten Bewohnern. Ihr erreichtes Alter führt sie auf ihren Garten zurück, von dem sie sich hauptsächlich ernährte und die Eier ihrer eigenen Hühner.

Waltraud Jahnke vor der Paarener Dorfstraße 7, dem früheren, letzten Rohrdachhaus

Als das kleine Dörfchen noch für sich allein stand erblickte sie am 2. Februar 1927 in dem Paarener Rohrhaus das Licht der Welt. Wenn sie nun an ihr Leben zurück denkt, dann erzählt sie besonders gern von diesem einzigen Paarener Rohrhaus. Scheunen waren im Ort oft mit Rohr eingedeckt. Das 1902 erbaute Rohrhaus war die Heimstätte von vier Familien zu denen auch die Fischerfamilie Gerlach gehörte. Hier wohnte auch sie mit ihren Eltern als Älteste von zwölf Kindern, die hier alle geboren wurden. Zu den Hausbewohnern gehörten auch Fledermäuse. Wenn es durch den Schornstein hinein regnete, mussten die Kochtöpfe abgedeckt werden.

Die Eltern waren Gutsarbeiter. In Falkenrehde ging sie zur Schule, immer auf Schusters Rappen, oft übers Feld, wo der Milchwagen lang fuhr und im Winter quer übers Eis des Kanals. Oft lief sie mit der Schulklasse singend durch Falkenrehde. In der Sanschelle fanden die Sportstunden statt. Der beliebte Lehrer Böttcher wurde leider 1945 durch Russen erschossen.

Während des Krieges wurde sie zur Versorgung von Verwundeten nach Beelitz Heilstätten geholt. Später musste sie ihren Arbeitsdienst in Gefangenschaft in einem Verwundetenlazarett in Schleswig Hollstein verrichten. Eine Wahrsagerin  sagte ihr voraus, dass sie, wenn sie nach Hause kommt, einen dunkelhaarigen Mann kennenkernt und drei Kinder bekommt. Alles traf zu, als sie 1947 nach Paaren zurück kam.

1953 hatte sie ihren Otto Janke geheiratet, mit dem sie drei Kinder hatte. Er starb ein Jahr nach ihrer Silberhochzeit.

Nach dem Krieg und mit den entstandenen LPGen arbeitete Waltraud Janke in der Milchproduktion. Oft fuhr sie schon um 1.45 Uhr mit einem Traktor mit, um die Kühe zu versorgen und zu melken. Sie hatte sieben wechselnde LPG-Vorsitzende in ihrem Arbeitsleben.

Gern erinnert sich die Jubilarin auch an die schöne Freundschaft mit Karl Heider (* 21.11.1930; † 5. Juli 2006), welcher eine Konditorei in Babelsberg und das legendäre Café Heider betrieb. Nach der Wende ließ er in Paaren eines der schönsten Häuser errichten und lebte dort mit seinem Lebensgefährten.

Zu ihren schönsten Erinnerungen zählt, dass stets zum 2. Advent die Kinder der Paarener Gutsarbeiter ab dem Alter von 5 Jahren zur früheren Gutsherrschaft Friese kommen durften. Dann gab es Stolle und Kakao. Jedes Kind durfte so viel es trinken, wie es wollte. In einen mitgebrachten Korb packte die Frau Friese Lebkuchen, die sie extra backen ließ, Nüsse und Äpfel hinein.

Text und Foto: G. Schiller

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