Filmparkchef mit neuen Schätzen
30. August 2016
Bauen in Grube?
30. August 2016

Ein Fährhaus ohne Fährstelle

Tag des offenen Denkmals am 11. September 2016:

Henry Sawade restauriert akribisch das Fährhaus in Uetz und

Die Havel: unzählige Seen, Wasserläufe und Kanäle – der notwendige Übergang, Brücken und Fähren waren nötig, um über die Fließe zu kommen – für alle, aber natürlich auch, um dem Königshaus das Erreichen seiner Landsitze zu ermöglichen. Die notwendig entstandenen Übergänge über Havel, Kanäle, Wublitz wurden natürlich genutzt, mitunter für die Herrschaft auch herrschaftlich hergestellt.

uetz-paaren-faehrhaus-c-6

Als die Wublitz (vor der Kappung durch den Autobahnbau 1936) zwischen Marquardt und Uetz noch den Weg nach Norden versperrte, hatte der Fischer auch das Fährrecht inne. Und so setzte er natürlich auch die Reisenden des Königshauses auf ihrem Weg zwischen der Residenz und dem von Friedrich Wilhelm III., Königin Luise und ihren acht Kindern so geliebten Landsitz Paretz über. An die letzte Passage der verehrten Königin kurz vor ihrem Tod 1810 erinnert eine Eiche auf dem Fährgrundstück. Der König indes vermied viele Jahre weitere Besuche des mit Erinnerungen an Luise behaftete Paretz, und die Fährstelle wurde unbedeutend. Erst in seinen letzten Regierungsjahren nahm Wilhelm III. die Besuche wieder auf und beauftragte schließlich Ludwig Persius mit der Planung und dem Bau eines neuen Hauses.

uetz-paaren-faehrhaus-c-2

Nach dem Bau der Autobahn war das Schicksal jedoch besiegelt: das Haus, durch den Verlust des Wasserlaufes seiner Bestimmung beraubt, „dümpelte“ dahin, war für Dies und Jenes benutzt und schließlich fiel es in einen „Dornröschenschlaf“.

Ein Zustand, in dem es Henry Sawade entdeckte. „Wie du es aus russischen Märchenfilmen kennst“, sagt er, als er sich an die erste Begegnung mit dem Fährhaus erinnert. „Romantisch, märchenhaft, geheimnisvoll.“  Das war in seiner Kinderzeit, als er am Schlänitzsee rumstromerte, weil die Eltern ein Wochenendhaus dort hatten.
Als Henry Sawade dann, nach Steinmetz-Lehre und Bildhauer-Studium, an diesen Ort zurückkam, war für ihn und seine Lebensgefährtin klar: Hier ist unsere Bestimmung, hier müssen wir sein, hier werden wir leben.

uetz-paaren-faehrhaus-c-1   uetz-paaren-faehrhaus-c-5

Seitdem kümmern sie sich um die Fährstelle, haben sich in die Geschichte des Ortes „reingearbeitet“, haben Geschichten und Zusammenhänge entdeckt, die ihnen die Arbeit am Haus vorantreibt und erleichtert. „Wenn du das schon machst, dann richtig“, sagt Henry Sawade. Seitdem „macht“ er mehr, als der Denkmalschutz vorschreibt: Es ist kaum zu glauben: jeder Ziegel der Außenwände sind einzeln herausgenommen, nummeriert und gesäubert wieder eingesetzt worden. Das Holz für das Fachwerk und die Türen, märkische Kiefer, wird wieder so bemalt, wie es die Bauherren damals gewollt haben, dass sie wie aus teurer Eiche aussehen sollen. Die Ausmauerung der Fache wird hinterher gestrichen und mit aufgemalten Fugen sorgsam in den Zustand des Originals versetzt.

Henry Sawade: „Egal wie lange es dauert, das Fährhaus soll so werden, wie es einmal war.“ Und das weiß eigentlich niemand besser als der Restaurator, der es entdeckt.

Auf dem Hof steht ein kleiner Schuppen, den hat er gebaut, um die Holzverzierungen herstellen zu können. Aber er ist auch ein Modell für die Scheune, die danach wieder entstehen soll – die Scheune, die ihn einst für die Fährstelle interessiert hat.

Dass die Hinwendung zur Fährstelle in Uetz eine besondere Beziehung ist lässt aufmerken: die Plastik von Luise, die Sawade noch vor seiner Ausbildung als Bildhause gefertigt hat, steht jetzt an der Luise-Eiche.

uetz-paaren-faehrhaus-c-4   uetz-paaren-faehrhaus-c-3

„Das Fährhaus ist wichtig in Uetz, habe ich festgestellt. Die Leute kommen, sind neugierig, bieten Hilfe an. Was ich eigentlich wollte, hier in Ruhe zu arbeiten, ist nichts geworden. Das Fährhaus ist ein Zentrum in Uetz geworden, und das haben wir akzeptiert.“

Das wird sich auch am Tag des offenen Denkmals zeigen, der unter dem Motto steht „Denkmale gemeinsam gestalten“. Zahlreiche Uetzer greifen mit zu, um den zu erwartenden Andrang zu bewältigen. Ab 10 Uhr wird geöffnet.

X