Die BürgerInnen-Initiative Fahrland
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Motorsport in Groß Glienicke
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Direkte Busverbindung Potsdams in den Norden/nach Berlin

Das Hearing vor der Ortsbeiratssitzung in Groß Glienicke machte deutlich: Ein paar neue Faltpläne, wie von den Vertretern der ViP vorgestellt, lösen nicht die Probleme, die insbesondere Menschen mit Handicap seit der Einstellung der direkten Busverbindung von Berlin-Spandau zum Potsdamer Hauptbahnhof haben. Unverständlich, dass in Zeiten der Inklusion mit so großer Eile die Buslinie eingestellt wurde, obwohl noch auf längere Zeit nicht ausreichend behindertengerechte Tramwagen zur Verfügung stehen.

Wir wünschen uns eine Auseinandersetzung mit den folgenden Argumenten und verfolgen weiterhin das Ziel: Die direkte Busverbindung muss wiederhergestellt werden.

Während überall Ideen gesucht werden, den ÖPNV attraktiver zu machen, um Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen, passiert in Potsdam genau das Gegenteil: Eine schnelle und attraktive Direktverbindung wird eingestellt.

Wir wenden uns gegen das Konzept der ViP, die Buslinien aus dem Potsdamer Norden am Campus Jungfernsee enden zu lassen.

Das Konzept soll die Attraktivität des ÖPNV verbessern. Wir sagen: Ein attraktiver ÖPNV sieht anders aus. Das Umsteigen ist umständlich, für bestimmte Gruppen (Ältere, Menschen mit Handicap) beschwerlich, die Fahrzeit verlängert sich, die Haltestelle am Campus ist eine Zumutung. So wird kein Groß Glienicker auf sein Auto verzichten. Das ist aber angesichts der geplanten Bebauung und dem vorauszusehenden Verkehrschaos dringend geboten.

Das Konzept soll zur Luftreinhaltung beitragen. Auf den ersten Blick nachvollziehbar, aber wenn man bedenkt, dass der Potsdamer Norden vermehrt Auto fahren wird, nicht mehr haltbar. Dazu verweisen wir auf den Tagesspiegelartikel vom 15.02.: „Laut Umweltbundesamt verursacht der Verkehr rund 60 Prozent der Stickstoffdioxidbelastung. Daran sind Diesel-Pkw mit 72,5% beteiligt, Busse machen nur vier Prozent der Emissionen im städtischen Verkehr aus.“

Parallelverkehr soll vermieden werden. Die Tram fährt nicht genau parallel, sondern biegt ab, wodurch sich die Fahrzeit verlängert und ein Gebiet rund um den Pfingstberg gänzlich abgeschnitten wird. Parallelverkehr ist an anderen Orten durchaus üblich.

Der Bus stehe im Stau, die Tram fahre am Stau vorbei. Das erscheint uns unlogisch, da gerade die staugefährdeten Fahrten im Berufsverkehr beibehalten werden. Der auf der gesamten B2 drohende Stau lässt sich nur verhindern, wenn die Menschen durch einen attraktiven schnellen ÖPNV zum Stehenlassen des Autos bewegt werden.

Anderen Ortsteilen oder ländlichen Gebieten gehe es schlechter.

Wir wehren uns gegen den Versuch, einzelne Gebiete Potsdams gegeneinander auszuspielen. Wir orientieren uns nicht an schlechten Lösungen, das ist nie ein gutes Argument und bremst jegliche Verbesserung aus.

Die Beibehaltung der Buslinie sei unwirtschaftlich, es sei kein Bedarf vorhanden.

Hohe Kosten hat zunächst der Bau der Tramlinie verursacht. Es kann nicht Aufgabe des Potsdamer Nordens sein, den Bau der Tram durch eine Verschlechterung des Angebotes mitzufinanzieren.

Wir fordern keine Neuinvestition, sondern lediglich ein Weiterführen des bisherigen Angebots.

Im Sozialstaat müssen auch dünner besiedelte Gebiete verkehrstechnisch angebunden werden. Aber die Kürzung betrifft nicht nur Groß Glienicker als quasi egoistisches Anliegen einer Minderheit, sondern auch Potsdamer sind betroffen, die in den Norden oder nach Berlin wollen und Berliner, die nach Potsdam wollen. Mehr als 1600 Unterschriften in kurzer Zeit zeigen, dass das Thema die Menschen bewegt, und dass es sich nicht um „ganz wenige“ handelt, wie es der OBM gegenüber der Presse sagte.

Potsdam macht sich stark für mehr Bürgerbeteiligung. Bisher haben wir den Eindruck, dass die Bürgerinteressen und unsere Argumente wenig Gehör finden. Im Ort erzeugt das große Frustration und Politikverdrossenheit, was sich auch im Wahlverhalten spiegeln wird.

Sogar auf Bundesebene werden ungewöhnliche Visionen (kostenloser ÖPNV) ernsthaft diskutiert.

Ein attraktiver ÖPNV erfordert Investitionen. Das und das Einbeziehen der Bürgerinteressen sollte auch das finanzielle Engagement wert sein. Potsdam sollte hier nicht in die falsche Richtung unterwegs sein.


Norbert Schatz

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