Bornstedt entdeckt sich
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Ganz Potsdam „eingezäunt“
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Die Villa Feodora

Ein Gedenkstein soll an die Prinzessin erinnern

Unser Anliegen ist, die Prinzessin zu ehren, unser Haus trägt nicht zufällig ihren Namen, die Bornstedter wollten ihr danken und gedenken, aber heute verblassen die Erinnerung und das Wissen um sie.

Sie war eine Prinzessin des Herzens – so Max Lehrs, ihr Lehrer aus Dresden. Speziell ihr soziales und künstlerisches Engagement brachte ihr in ihrer Zeit, von 1903 bis 1910 im Krongut Bornstedt, wo sie auf Einladung ihres Schwagers, des Kaisers, lebte, viele Sympathien unter der einfachen Bevölkerung ein. So entstand auch aufgrund des guten Verhältnisses zur Pfarrersfamilie der Kontakt zum Schwager des Pfarrers Simon, dem Tangermünder Zuckerfabrikanten Meyer – und so entstand letztlich die Feodora-Schokolade …

Mich hat ihr literarisches Schaffen sehr beeindruckt. Ihre Gedichte, ihre Geschichten, die aus ihrer holsteinischen und schlesischen Heimat inspiriert sind und von einfachen Bauern und Fischern berichten und geschrieben sind, als hätte sie mit ihnen gelebt. (Erschienen zwischen 1904 und 1914 in Berlin bei Grote und Warneck, sie schrieb unter dem Pseudonym F. Hugin, ein Rabe Odins.)

Leider ist von ihren rd. 600 Bildern keines erhalten, möglicherweise sind sie verbrannt im Schloss ihrer Familie in Primkenau, 1945.

Sie litt an Diabetes und erkrankte wiederholt in Hohenfelden, Baden, an Typhus und verstarb leider bereits mit 36 Jahren dort und wurde in Primkenau (Schlesien), ihrem Geburtsort, im Juni 1910 beigesetzt.

prinzessin-feodora-cDas Bild in der Kirche in Bornstedt hängt an prominenter Stelle, dort wo sie immer gesessen hat, aber eben leider aus dem Publikumsraum nicht sichtbar und nur für den Insider findbar.

Daher nun dieser Gedenkstein mit Gedenktafel, denn Bornstedt ist mehr als ALDI und NETTO, und auch Autohäuser und Flüchtlingsheime sind nicht die Rettung der abendländischen Kultur. Nicht einmal eine Fachhochschule und ein Buga-Park täuschen über den rettungslosen Untergang städtebaulicher Visionen hinweg.

Es bedarf erheblicher Anstrengungen, wenn wir unseren Kindern mehr mit auf den Weg geben wollen, als 100 Sender gleichgeschalteter Medien im Unterschichten-Format – arte mal ausgenommen – und Fächer, die man abwählen kann.

Es gibt keine Moral mehr und keine Vorbilder, an denen man sich orientieren kann – aber die Prinzessin war wohl solch eines.

Stichhaltige Informationen erhalten sie bei Thomas Weiberg, SPSG, Buchautor „Nach Sternen jagen“, Berlin Story Verlag (Das Buch ist ausverkauft, aber wird, wenn es gutgeht, zum Tag des offenen Denkmals wieder neu aufgelegt.).

Der Stein soll rauh und natürlich schön mit einem rötlichen Schimmer an die Abendsonne erinnern, ein Travertin oder Sandstein, weich und empfindsam wie die Prinzessin, selbstbewusst aber bescheiden – wird es ihn freuen, wenn ab und an ein Rabe auf ihm die Welt beobachtet und zuweilen das Gesehene genießt, ohne es sicher ansatzweise zu verstehen …

Martin Max Zühlke

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