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Die Verehrung des Gutsherrn Rudolf Friese

Beisetzungsfeier im August 1927 gestaltete sich zur großen Kundgebung

In der Februarausgabe berichteten wir u. a. über den früheren Paarener Gutsbesitzer und Königlichen Amtsrates Friedrich Rudolf Friese (1844-1927). Dieser Beitrag fand bei vielen Lesern großes Interesse und soll deshalb auch hiermit fortgesetzt werden.

In einem Paarener Waldgebiet des Doppelortsteiles Uetz-Paaren befindet sich eine Familiengrabstätte der Frieses, welche man in Paaren gern touristisch erschließen möchte. Sie ist in dem verschlungenen Wald nicht einfach zu finden.

Dieter Tolkmitt, pensionierter Polizist, zu DDR-Zeiten Abschnittbevollmächtigter (ABV), half gemeinsam mit Ortschronist Gerd Damaschke die Begräbnisstätte zu finden, welche wir nach einem längeren Fußmarsch erreichten. Findlinge wurden die einfachen Grabsteine des Gutsbesitzerehepaares von Paaren, vom Sohn und von einem Schwiegersohn.

Ortschronist Gerd Damaschke (l.) und Dieter Tolkmitt vor dem Grabstein des Rudolf Friese

In einer Zeitung (vermutlich „Osthavelländisches Kreisblatt“) wurde am 15. August 1927 über die Beisetzungsfeier des Friedrich Rudolf Friese berichtet, welche sich am 10. des Monats zu einer außerordentlichen Kundgebung der Verehrung und des Dankes gestaltete. So berichtete die Zeitung: Nicht in der Kirche und nicht in einem Saal – beide hätten die Fülle der Erschienenen nicht zu fassen vermocht – sondern unter freiem Himmel auf der Parkseite des Herrenhauses fand sie statt. Im weiten Halbkreis waren die Stühle und die Veranda des Hauses gesetzt. Aus der ganzen Nachbarschaft waren die Standesgenossen, aus dem ganzen Kreis die Deputationen erschienen, auch der ehemalige Landrat des Kreises, stellvertretender Oberpräsident Herr v. Hahnke …Der Gardedragonerverein, dessen Ehrenmitglied, und der Kriegerverein Falkenrehde und Umgebung, dessen treues Mitglied der Entschlafene gewesen ist, waren mit Standarten und Musik erschienen. Die Beamten sowie Arbeiter und Arbeiterinnen des Gutes und die kirchlichen Körperschaften der Gemeinde fehlten nicht am Sarge ihres Gutsherrn und Kirchenpatrons. Die Veranda des Hauses war zum Altar umgewandelt mit Kruzifix, brennenden Lichtern und reichem Palmenschmuck. Und davor aufgebahrt der Sarg des Entschlafenen, über und über mit Rosen bedeckt. Eine unzählbare Fülle kostbarer Kränze breitete sich zu Füßen des Sarges aus, ein Zeichen der großen Liebe und Verehrung, die der Entschlafene besessen…

Der Grabstein von Sohn Walter Friese. Er wurde Hauptmann und fiel im Krieg als Held.

Die Gedenkrede hielt Superintendent Korth, Wustermark, dem Wunsch der leidtragenden Familie entsprechend, über das Psalmwort aus Psalm 90: „Unser Leben währet 70 Jahre …“ Mühe und Arbeit ist das Leben des Entschlafenen gewesen, aber darum köstlich, denn es war Mühe und Arbeit im Dienste der Liebe und Fürsorge für seine große Familie, der er ein vorbildlicher Vater und Großvater gewesen, für seinen Kreis, dem er mit nie versagender Pflichttreue und Selbstlosigkeit gedient hat, für seine Provinz als langjähriges Mitglied der Landwirtschaftskammer und des Provinzial-Landtags, …

Mit Gebet und Aussegnung und dem Gesang dieses Verses schloß die eindrucksvolle Trauerfeier, und der Trauerzug setzte sich in Bewegung. An der Spitze marschierten die Schulkinder mit dem Lehrer. Dann kamen die beiden Militärvereine mit ihren Kapellen, die abwechselnd Weisen bliesen. Hinter dem Leichenwagen war das große Trauergefolge. So zog sich der ernste Trauerzug durch das sonnige Land, vorbei an den Feldern …bis er einbog in den grünen Wald, wo die Familie ihren Friedhof hat. Dort ruht die Gattin, mit der er 48 Jahre in treuer Liebe verbunden gewesen, dort ruhen von den gefallenen Helden der Familie ein Sohn und ein Schwiegersohn. …Nach dem Gesang der Schulkinder „Laßt mich gehen“ rollten die drei Ehrensalven über das Grab …

G. Schiller

Fotos: Schiller

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