MALEREI VON GERHARD MEYERRATKEN IM LANDHAUS ADLON
28. November 2017

Die Kirschendiebin

Am 11. November dieses Jahres war es wieder soweit. Der Salon B in Groß Glienicke, inzwischen zu einer kleinen kulturellen Institution geworden, lud seine Gäste zu einer ganz besonderen Lesung ein.

Die Schriftstellerin Helga Schütz, die früher lange Zeit mit ihrer Familie in Groß Glienicke lebte, las aus ihrer neuesten Erzählung „Die Kirschendiebin“.

Helga Schütz, mittlerweile junggebliebene 80 Jahre alt, schreibt seit über 40 Jahren erfolgreich Bücher, studierte Dramaturgie an der Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg, schrieb Drehbücher für Spiel- und Dokumentarfilme und erhielt 1993 eine Professur für Drehbuchschreiben an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam. Auch viele bedeutende Auszeichnungen erhielt Schütz für ihre literarischen Leistungen in den vergangen Jahrzehnten, darunter den Heinrich-Mann-Preis und den Fontane-Preis der Stadt Potsdam.

(v. l. n. r.) Christa Esselborn-Holm, Helga Schütz und Cordula Benndorf

Ganz bescheiden und fast schon anmutig saß Helga Schütz am Schreibtisch, während die Gäste im Salon B platznahmen. In leisem und klarem Ton begann Schütz ihre Begrüßung an die Anwesenden, die aufmerksam der darauf folgenden Inhaltsangabe lauschten, um auch dem Vorgelesenen inhaltlich folgen zu können.

„Die Kirschendiebin“ handelt von dem fast 80-jährigen Schriftsteller Thomas Falkenhain, der an seine unerfüllte Liebe in den 1960ern erinnert wird, als er auf Drängen seiner Lebensgefährten seine eigene Stasi-Akte liest. Die heimliche Beziehung zu „seiner“ Melina, genannt „Mela“, die er einst beim Kirschenpflücken in einem Garten neben der Universität ertappte, endete abrupt, als Mela mit Mann und Sohn in den Westen fliehen musste. Erst aus seiner Stasi-Akte erfährt er, dass ihm Mela später Briefe geschrieben hatte.
Durch einen glücklichen Zufall treffen beide kurz darauf wieder aufeinander…

Schütz´ Erzählungen haben in der Regel etwas Autobiografisches. Sie verarbeitet ihre eigenen Erlebnisse und Gefühle, indem sie ihre Protagonisten hinter einem Schleier ihrer eigenen Lebensgeschichte inszeniert, um den Leser an derselben fast ungefiltert und doch nicht zu detailliert teilhaben zu lassen.

Da der Protagonist der „Kirschendiebin“ ebenfalls um die 80 Jahre alt und Schriftsteller ist und den Nachnamen Falkenhain, dem Geburtsort von Schütz, trägt, dürfen die Leser selbst vermuten, inwieweit die neueste Erzählung von Helga Schütz ebenso autobiografische Züge enthält.

Wir wünschen auf jeden Fall viel Spaß beim Lesen, denn die Fachpresse lobt Schütz´ Erzählweise in den höchsten Tönen.

sts

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