Neues Klettergerüst
2. April 2016
Marquardt hat gewählt
2. April 2016

Der Stau, das sind wir alle

Mehr Ideen für weniger Stau und ein besseres Vorankommen in Potsdams Norden

Birgit W. aus Neu Fahrland fährt jede Woche mit einer Nachbarin zum Einkaufen. „Immer freitags morgens telefonieren wir“, sagt sie: „Wenn wir nur eben das Nötigste besorgen wollen, geht es zu Rewe oder Penny, manchmal fahren wir aber auch zum Havelpark oder zum Stern-Center“. Die gemeinsamen Einkaufsfahrten haben etliche Vorteile: Unter anderem haben die beiden Frauen Gelegenheit zum Reden. Sie sind flexibel und können dann losfahren, wenn es passt. Vor allem aber ist nur ein Auto unterwegs statt zwei.

Mitfahren spart Geld, vermindert Staus, schont die Umwelt und ermöglicht Kontakte. Dieser Gedanke war der Ausgangspunkt für eine Gruppe engagierter Bürger, die sich seit Januar regelmäßig trifft, um alternative Konzepte zur Mobilität in Potsdams Norden zu entwickeln (siehe „Heveller“ vom Februar 2016). Denn uns nervt nicht nur der tägliche Stau auf der Bundesstraße 2, sondern auch der ausgedünnte Busfahrplan in den nördlichen Ortsteilen Potsdams am Feierabend und an den Wochenenden.

Natürlich könnten wir auch einfach die Hände in den Schoß legen, bis die Stadtverwaltung in Marquardt und am Campus Jungfernsee Park-and-Ride-Plätze eingerichtet hat und (hoffentlich) ganz viele Pendler auf die Bahn umsteigen oder auf die Straßenbahn, die irgendwann einmal bis nach Krampnitz und nach Fahrland fährt. Wir könnten abwarten, ob sich der Stau auf der B2 dadurch auflöst, dass immer mehr Menschen auf stetig ausgebauten Radwegen per Velo oder Pedelec nach Potsdam und wieder hinaus rollen. Also irgendwann um den Sankt Nimmerleinstag herum. Aber wir wollen, dass sich jetzt etwas ändert. Und wir sind überzeugt, dass Bürgerinnen und Bürger das selbst in die Hand nehmen können – und sollten: Denn der Stau entsteht nicht durch höhere Gewalt. Der Stau, das sind wir alle.

Birgit W. und ihre Freundin liefern nur ein Beispiel für eine kreative Lösung, die billig und einfach zu realisieren ist. Es gibt noch viel mehr Beispiele. So haben Eltern aus Groß Glienicke und aus Neu Fahrland ein Grossraumtaxi gebucht, das regelmäßig morgens ihre Kinder zur Marquardter Grundschule und nachmittags zurück transportiert. Mit durchschnittlich 137 Euro pro Monat und Kind (außer in den Ferien) ist das zwar teurer als ein Monatsabo der ViP. Aber mit dem Bus wären die Neu Fahrländer Kinder 40 Minuten unterwegs, die Groß Glienicker müssten einmal umsteigen und bräuchten eine Stunde je Weg. Würden Eltern sich die Fahrdienste teilen, wären zwei bis drei Autos unterwegs, Benzinkosten fielen auch an und das morgendliche Verkehrschaos vor der Schule wäre noch größer.

Regionale Mitfahrsysteme gibt es bereits in Märkisch-Oderland („MObiL“), in Rheinland-Pfalz („mitholer“) oder in Baden-Württemberg („Höri-Mit“). Allen gemeinsam ist, dass es zunächst eine Vertrauensbasis zu schaffen gilt, um die Bürger zum Mitmachen zu motivieren. Zu diesem Zweck haben manche Initiativen einen Verein gegründet, bei dem sich alle mit Namen und Adresse registrieren, die Mitfahrplätze anbieten oder nutzen wollen. Sie erhalten dafür eine Karte oder einen Aufkleber mit Logo, an dem sich die Teilnehmer erkennen – und so wissen, mit wem sie es zu tun haben.

Regelmäßige wie auch gelegentliche Mitfahrten in Privat-PKW ließen sich aber auch über eines der vielen Portale organisieren, die sich im Internet anbieten. Das Prinzip ist ganz einfach: Nachdem man sich registriert hat, gibt man ein, wann man etwa als Pendler immer von A nach B fährt und Mitfahrer an Bord nehmen kann, oder wann man von C nach D mitgenommen werden möchte. Das Portal dient allein der Vernetzung von Angebot und Nachfrage. Das Problem ist allerdings, dass das bislang nur selten zustande kommt, weil sich noch nicht genügend potenzielle Fahrer und Mitfahrer angemeldet haben.

Wir bleiben dran. Und wir hoffen, auch Ihre Neugierde geweckt zu haben. Hier schon mal eine Liste interessanter Links zu den erwähnten regionalen Mitfahrsystemen und -portalen an:

MatchRider – Fahrgemeinschaften für jeden Tag (www.matchrider.de)

flinc – die Mitfahr-App für jeden Tag (flinc.org)

MObiL in Märkisch Oderland (www.mobilinmol.de)

Mitholer in Longuich, Fell & Schweich (www.mitholer.de)

Höri mit am Bodensee (hoeri-mit.de)

Für die Arbeitsgruppe: Susanna Krüger, Sabine Sütterlin

X