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Der Schwarze Graben – früher Grenze zwischen Potsdam und Bornstedt

Vor einigen Jahrhunderten hatte der Schwarze Graben als Grenz- und Entwässerungsgraben im Norden von Potsdam wichtige  Funktionen. Später wurde er wegen seiner Lage und fehlender Schiffbarkeit eher unbedeutend. In der örtlichen Geschichtsliteratur findet man zum mittelalterlichen Schwarzen Graben nur lückenhafte Darstellungen. Nachfolgend werden Lage, Funktion, Geologie und Umnutzung des Schwarzen Grabens erläutert. Auch der Bebauungsplanentwurf Nr. 20 „Am Obelisk“ wird angefügt.

Aus wasserwirtschaftlicher Sicht bestand der historische königliche Parkgraben aus dem Oberlauf, dem Schwarzem Graben, dem Mittellauf, dem Parkgraben und dem Unterlauf, dem Schafgraben. In alten Lageplänen ist der Schwarze Graben eingezeichnet. Sein Lauf begann als Grenzgraben am südlichen Fuß des Pfingstberges (früher Eichberg); er verlief in der Jägerallee (Allee gegen Eichberg), vorbei an der Alexandrowka-Siedlung in Richtung Jägertor. Kurz vor dem Jägertor bog er nach rechts ab, kreuzte die Mauerstraße (Karlstraße) und die Schopenhauer Straße (Bornstedter Landstraße) und mündete in den Friedensteich. Eine hölzerne Brücke, Dämmchenbrücke genannt, querte die Schopenhauer Straße. Vom Friedensteich, von Peter Joseph Lenné angelegt, verlief der verbreiterte Parkgraben westwärts vorbei am Chinesischen Teehaus und Freudschaftstempel über die Eichower Wiesen als Abzugsgraben in den Zernsee. Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass der Schwarze Graben „offenbar im Osten nahe des Nauener Tors“ begann; somit hatte er bis zum Friedensteich eine Länge von 850 m. Seit seinem Bau diente der Schwarze Graben zur Wasserableitung von südöstlichen Bornstedter Acker- und Gartenflächen, die bis zum 19. Jahrhundert unbebaut waren. Ein vermessener Lageplan von 1850 dokumentiert das Ausmaß der Überschwemmungsflächen im Bereich des Schwarzen Grabens.

Durch die Stadterweiterung nördlich der Hegelallee (Kaiser-Wilhelm-Straße) änderten sich die Abflussverhältnisse des Schwarzen Grabens grundlegend. Der Graben verlor seine Funktion als Entwässerungsgraben, er diente mehrere Jahrzehnte als Versickerungsgraben und wurde um 1890 gänzlich zugeschüttet. Auch der schiffbare Palaisgraben im Schlosspark Sanssouci wurde 1886 zugeschüttet. Das Trockenfallen des Schwarzen Grabens wurde durch den Bau von Entwässerungsleitungen im Stadtgebiet und den Bau von Brunnen und Grundwasserabsenkungen verursacht. Aus früheren Zeitungsberichten ist bekannt, dass im Garten des Grundstücks Mauerstraße 8 a (Karlstraße), der im Bereich des Schwarzen Grabens lag, Reste einer starken Brücke ausgegraben wurden, die zu einem alten Fahrweg gehörten. Obwohl der Graben zugeschüttet wurde, traten in den folgenden Jahrzehnten selten nennenswerte Überflutungen im Bereich des ehemaligen Schwarzen Grabens auf.

Aus geologischer Sicht ist der Schwarze Graben eine Erosionsrinne, die in der ausgehenden Eiszeit (Weichseleiszeit) sowie des Holozäns entstanden ist. Hier flossen einst Schmelzwässer von der Urnuthe oder von einem alten Havelarm in Richtung Stromhavel – Zernsee. Die geologische Flachrinne nördlich der Hegelallee war 40 – 120 m breit und 2 – 5 m tief; sie wurde aus sedimentären Schwarz- und Brauntorf gebildet. Die obere Bodenschicht war mit schwarzer Torferde vermischt. Die schwarze Bodenfarbe ist wahrscheinlich Namensgeber des Schwarzen Grabens. Neuere Grabungen und Gründungen im Bereich des Schwarzen Grabens östlich vom Friedensteich ergaben gemischte, meist organische Bodenverhältnisse.

Am Eingang des Parks von Sanssouci ist ein Ensemble historischer Bauten entstanden, zu denen der Obelisk, die Villen Arnim und Persius gehören. Im Auftrag der Stadt Potsdam wurde 2012 als städtebauliches Konzept der Bebauungsplanentwurf Nr. 20 „Am Obelisk“ erarbeitet. Der Geltungsbereich des künftigen Bebauungsplanes umfasst eine rd. 0,5 ha große Fläche. In dieser Fläche, östlich von der Dämmchenbrücke, verlief das Endstück des Schwarzen Grabens. In der Begründung zum Bebauungsplanentwurf finden daher der Schwarze Graben und auch die Bebauung nach seiner Zuschüttung Erwähnung. Die genannten historischen Villen bestimmen maßgeblich die Struktur des Stadtrandgebietes gegenüber vom Obelisk. Durch Kriegszerstörung der Villa Persius und dem Bau des Intershop-Gebäudes um 1980 wurde die städtische Bebauung gestört, die einer Korrektur bedarf. Bisher wurde im Geltungsbereich des Bebauungsplans Nr. 20 folgendes realisiert: Auf der Fläche des 2012 abgerissenen Intershop-Gebäudes ist eine gestaltete Grünfläche mit Geländemulde entstanden, die den Verlauf des Schwarzen Grabens andeutet. Die freie profilierte Grünfläche, die sich im Eigentum der Stadt befindet, verbessert bereits jetzt die Sichtbeziehungen von Dreikönigstor und der Hauptallee des Parkes Sanssouci. Südlich der neuen Grünfläche wurde 2014 anstelle der Villa Persius ein historisierender Neubau mit Turm errichtet. Die bestehende Grünfläche mit Grabenmulde, Blumenwiesen und Pflanzeninseln an der Schopenhauer Straße ist ein städtebaulicher Gewinn an dem sich Potsdamer Bürger und Touristen bereits jetzt erfreuen.

Adolf Kaschube

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