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Der renovierte rote Wasserturm mit Dachterrasse

In der Residenzstadt Potsdam erfolgte die Wasserversorgung seit dem Mittelalter aus zahlreichen Straßen-und Privatbrunnen mit unterschiedlicher Wasserqualität. Die letzte Cholera-Epidemie, hervorgerufen durch verseuchtes Brunnenwasser, gab es 1873. Das erste Wasserwerk der Stadt Potsdam entstand 1876 in der Bertinistraße am Jungfernsee.

roterwasserturmpotsdam-cZur öffentlichen Wasserversorgung gehörte das Wasserwerk mit 15 Heberbrunnen, dem Hochbehälter mit 4 000 cbm Wasserinhalt und das Rohrleitungsnetz im Stadtgebiet. Mehrere Institutionen und Einrichtungen hatten eigene Wasserversorgungsanlagen mit Pumpwerk, Brunnen und markantem Wasserturm. Auch die Deutsche Reichsbahn, die große Wassermengen für die Dampflokomotiven benötigte, baute zwei eigene Wasserversorgungsanlagen. Auf den Bahnhöfen Potsdam Stadt und Wildpark entstanden Kleinwasserwerke mit einem 22 m hohen Wasserturm. Nach den Vorschriften der Deutschen Reichsbahn hatten die Wassertürme einen Inhalt von 100 cbm. Zum Wasserturm des Hauptbahnhofs Potsdam, der unter Denkmalschutz steht, und nach der Rekonstruktion als Bistro dient, gibt es ausführliche Veröffentlichungen. Weniger Bekannt ist der rote Wasserturm am Bahnhof Wildpark zu dem es nur spärliche Angaben gibt. Zur Ergänzung der Bau-und Nutzungsgeschichte des historischen Wasserturms sollen die folgenden Ausführungen beitragen. Im Zusammenhang mit dem Bau des Kaiserbahnhofs Wildpark, dem Ausbau des Bahnknotenpunktes und der Erweiterung des Güterbahnhofs entstand um 1910 der rote Wasserturm am östlichen Wildpark.

Der Standort des Wasserturms, am Rand des Güterbahnhofs gelegen, ist atypisch; es war deshalb eine verlängerte Zuleitung zum Wasserdrehkran nötig, um die Lokomotiven mit Wasser zu betanken. Alle Gebäude des Bahnhofs wurden mit Betriebswasser versorgt. Am Wasserturm befand sich das Pumpwerk. Die Pumpen waren im Nebengebäude installiert; sie förderten das Grundwasser direkt in den Turmbehälter. Nach Aussagen von Zeugen endete die Nutzung des Wasserturms Anfang 1980 mit Umstellung der Lokomotiven auf Diesel-oder Elektrobetrieb. Danach blieb der Wasserturm ungenutzt. Den still gelegten Wasserturm mit Grundstück verkaufte die Deutsche Bahn 2005 an einen Investor; infolge dessen Inaktivität verschlechterte sich der Bauzustand zusehends. Aus Sicherheitsgründen wurden der Wasserturm wie auch der Kaiserbahnhof baupolizeilich gesperrt. Eine bereits vorbereitete Sprengung des ruinösen Turmes wurde untersagt, weil eine Gefährdung der Verkehrssicherheit auf dem nahe gelegenen Werderschen Damm bestand. Eine positive Wendung zum Erhalt des ruinösen Wasserturms ergab sich 2014 durch den Kauf des Wasserturmgrundstücks von der Architektin Katrin Wirth.

Die Bausubstanz des Wasserturms wurde gerettet und eine aufwändige Außen-und Innensanierung begann 2016. Nach dem vom eigenen Architekturbüro erarbeiteten und durch die Potsdamer Bauaufsicht genehmigten Projekt „Sanierung und Umnutzung eines Wasserturmes“ wurden die Bauarbeiten am bestehenden Nebengebäude und am Wasserturm durchgeführt. Als Erstes wurde das Nebengebäude saniert, es dient als Baubüro. Die äußere Sanierung des aus Klinkern bestehenden Wasserturmes ist abgeschlossen. Nach der Entkernung des Innenraumes erfolgte der Umbau zur Wohnung; zwei massive Zwischendecken blieben erhalten, drei Zwischendecken wurden eingebaut. Alle Etagen sind durch die erhaltene Eisentreppe verbunden, die verbreitert wurde. Im umgenutzten Wasserturm beträgt die gesamte Wohnfläche 125 qm. Der größte Wohnraum mit Panoramafenster befindet sich im ehemaligen Wasserbehälter. Der Stahlbehälter mit originalen Armaturen ist weitgehend erhalten, er ist mit einer Holzdielung und neuer Außendämmung versehen. Über dem großen Wohnraum befindet sich in 20 m Höhe über Terrain die Dachterrasse; sie bietet einen Blick zum Wildpark und Neuen Palais. Der höchste Teil des Bauwerks trägt eine Blitzschutzanlage. Innerhalb des Turmes sind alle Versorgungs-und Entsorgungsanlagen installiert. Die Heizungsanlage für alle Wohnräume befindet sich im rekonstruierten Nebengebäude. Der ehemalige Wasserturm weist nach der Umnutzung mehrere Besonderheiten auf. Er ist insgesamt saniert, höchstes fünfgeschossiges Einfamilienhaus in Potsdam und wichtiger Bestandteil des denkmalgeschützten Kaiser-, Bürger-und Güterbahnhofs. Als historischer Zweckbau der Wasserversorgung gehört er zu den erhaltenen Bauwerken der Potsdamer Industriearchitektur.

Adolf Kaschube Potsdam, im September 2016

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