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Der Goldene Schnitt

Was Kunstmaler und Förster eint – eine semantische Überlegungen am Ende eines Spazierganges um den Kirchberg

Sturm Xavier hat unseren Wald verwüstet. Aber wenigstens die Hauptwege sind vom Bruchholz befreit. Ich laufe zum Kirchberg hoch, um die Aussicht zu genießen. Anspruchsvolle Jogger, welche den Ringweg bevorzugen, müssen aufpassen. Einige Stämme liegen noch immer auf dem Weg. Von einem Hindernislauf ist abzuraten. Wie leicht verstaucht man sich nach den Sprüngen ein Fußgelenk.

Die Aussicht über den Jungfernsee zur Glienicker Brücke, vielfach gemalt, entschädigt für den Weg. Die Natur liegt im Goldenen Schnitt vor uns. Griechische Mathematiker hatten diesen einst berechnet. Architekten und Maler hatten ihn für Gestaltung und Komposition übernommen.

Im Abgang sehe ich dicke LKW-Spuren und wahre Schneisen im Wald. Die stammen nicht von Xavier, sondern von der Holzernte. „Holzernte?“, ich überlege. Der Bauer erntet jedes Jahr, manchmal sogar zweimal. Und der Förster? Nun ja, wenn er nur jedes zweite Jahr so erntet wie jetzt gerade, werden wir in ein paar Jahren kahle Berge haben bei uns.

Unten an der B 2 sehe ich zwei dicke, frisch gefällte, Eichen. Der glatte Schnitt und das Geäst lassen keine Sturmauswirkungen erkennen. Und jetzt begreife ich die Universalität des Goldenen Schnittes der Griechen und Bildenden Künstler. Die Förster haben ihre eigene Auffassung hinzugefügt.

von Hans Groschupp

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