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Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen*

Verein FidL e.V. mit Kitaprojekt an der Golmer Chaussee in Bornim

Gewöhnlich beginnen die Dinge die man anstrebt mit Visionen. Nach Jahren erfolgreicher Trägerarbeit im Bereich des Betriebes und der Entwicklung von Kindertagestätten und pädagogischer Konzepte, macht sich der Verein FidL e.V. auf, Neuland zu betreten. In den letzten Jahren  wurde der Wachstumsgedanke regelmäßig gelebt und an den entsprechenden Interessenbekundungsverfahren der Stadt teilgenommen. Jeweils gute “zweite Plätze“, waren jedoch nie gut genug für die Verfahrensverantwortlichen und führten nicht zu der gewünschten Erweiterung von FidL und ein Betreiben dringend nötiger Kindertagesplätze innerhalb des Trägers. Dieser muss sich aber weiter entwickeln, um letztlich die für die Finanzierung notwendigen Kapazitätskennzahlen zu erfüllen.   Seine schmale Verwaltung von zwei Mitarbeitern kann und muss mehr Kindergartenplätze, Verträge und  Mitarbeiterbuchhaltung verwalten um nach den Richtlinien der Verwaltung effizient zu arbeiten. Momentan stehen ca. zwanzig  Kindergartenplätze zur Neuaufnahme jährlich bereit, dem stehen jedoch bis zu 800 Anmeldungen im Jahr gegenüber. Die Konsequenz daraus zog der Vorstand vor gut anderthalb Jahren. Man beschloss andere Wege zu gehen und suchte nach Investoren, die an einer Konzeptentwicklung und dem Bau von Kindertagesstätten interessiert sind. Kurze Zeit später entsteht der Kontakt zu einem Investor, der ausgerechnet in Potsdam ein Grundstück entwickeln will. Was für ein Zufall, die ersten Gespräche bringen bereits Klarheit, die Arbeitsweise des Trägers überzeugt den Investor und nach Jahren der vergeblichen Bewerbungen entsteht endlich ein drittes Kinderhausprojekt.  Nun sollte man davon ausgehen das alles gut wird und der Beginn ein planbarer Anfang ist. Weit gefehlt, denn der Bedarfsrahmen wird im Laufe von 9 Monaten hin und her korrigiert. Sind es am Anfang  ca. 48 Plätze, werden es im Laufe der nächsten Monate 80, 150, 120 und schließlich 100 geplante Plätze.  Für  Planer, Architekten und Investor bedeutet dies planen und rechnen, doch jedes Mal von vorne. Sozusagen ein „Mensch ärgere Dich nicht Spiel“ mit Folgen. Geld, kostbare Zeit und Akzeptanz gegenüber einer sorgfältig arbeitenden Verwaltung schwindet von Monat zu Monat. Das Sprichwort: „Viele Köche verderben den Brei“ bekommt hier eine völlig andere Bedeutung.  Trotzdem machen Investor und FidL e.V. weiter, planen, passen an, schreiben Konzepte und Konzeptionen. Im September 2017 ist von der ersten Visionen eines Neubaus, nach zähem Ringen der fünfte  Entwurf im Ministerium angekommen. Hier bleibt der nervenaufreibende Kampf um Planzahlen nicht unbemerkt. Mit der Folge, das nach vielen Monaten des Vermittelns der Raumplan noch mal in vielen Bereichen  innerhalb von 2 Tagen umgestaltet werden muss. Zu Recht, denn die Fachkompetenz der Mitarbeiter dort beruht auf jahrelange Erfahrung.

Trägervielfalt ist ein viel verwendeter Begriff in der vorschulischen Bildung. Bei genauerer Betrachtung sieht man aber an den harten Fakten und Zahlen, dass die  großen Träger der Freien Jugendhilfe immer größer werden, regelmäßig die städtischen Interessenbekundungsverfahren für sich entscheiden und eine Transparenz was dafür ausschlaggebend war, völlig fehlt.  Kann es sein, das man nicht möchte, dass sich kleine Träger, Vereine und innovative „Neue“ Konzepte etablieren? Diese Frage umfassend ehrlich zu beantworten sollte Aufgabe der Öffentlichkeit werden. Zu viele Details auf dem Dampfer städtische Verwaltung gehen auf dem Weg von der Brücke, über den Steuermann, der Offiziere und den Matrosen bis hin zum Maschinisten verloren. Passagiere können zuschauen, den Kurs fährt der Dampfer unbeirrbar und träge weiter. Kursänderungen sind nicht gern gesehene Manöver. Das Kitaprojekt Bornim ist Teil dieser sehr ernüchternden Reise. FidL e.V. leistet eine kindgerechte und viel gelobte vorschulische Bildungsarbeit, die nun hoffentlich in den nächsten Monaten eine Fortsetzung erfährt. Die Kindertagesstätte in Bornim ist immer noch eine Vision mit engagierten Erzieherinnen, Erziehern, zukünftigen Eltern, Geschäftsführung und Vereinsmitgliedern die bereits jetzt im Detail an einer kindgerechten Umsetzung arbeiten. Es wird spannend bleiben bis Gewissheit herrscht, ob Ideen und Visionen eines kleinen Trägers der Jugendhilfe die Hälfte des Ganzen sind! Ich werde die Reise weiter verfolgen und hier berichten. Der Fähr-Mann

* Aristoteles (384-322)

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