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Denken, wie die Handwerker von einst

Tag des offenen Denkmals in Uetz: Das Fährhaus in Uetz ist in guten Händen

Ein Glücksfall für das Fährhaus in Uetz, dass Henry Sawade schon als Kind das „Hexenhaus“ in Uetz so spannend fand, weil es an die sowjetischen Märchenfilme erinnerte, dass er dann wie der Vater Steinmetz wurde, Bildhauer und Restaurator und schließlich seine Lebenspartnerin Sabine Swientek genauso begeistern konnte, ohne zunächst zu wissen, dass die beiden sich hier in Uetz ein „Lebenswerk“ aufgeladen haben.

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Für den Denkmaltag wurde das Gerüst am Giebel abgebaut, obwohl noch nicht alles fertig ist – aber man bekommt einen Eindruck von der Besonderheit des Fährhauses.

Und das unter den Augen der Uetzer, die das Fährhaus längst abgeschrieben hatten und nach dem Abriss der Persius-Scheune in Folge Brandstiftung und Auszug der letzten Bewohnerin des Fährhauses dem Verfall und der Verwilderung des gesamten Grundstücks wehmütig zusahen.

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Glasermeister Stefan Batz zeigte, wie man Bleiverglasung herstellt.

Als Henry Sawade das Fährhaus vor vier Jahren zum ersten Mal als Denkmal öffnete, war das Interesse schon riesengroß, aber da waren die neuen Besitzer noch in der Entdeckungsphase, ahnten höchstens, was auf sie zukommen würde, zumal beide dem Grundsatz treu blieben und bleiben: „Wenn schon, denn schon – also, wenn wir das Haus restaurieren, dann soweit wie möglich in der Erstfassung.“

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Günter Richter – ein Schlosser, der sein Handwerk auch als Rentner noch ausführen kann und dem Nachbarn gern zur Seite steht.

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Zig Tonnen Lehm wurden schon verbaut im Fährhaus – der traditionelle Baustoff wird gerade wiederentdeckt, auch von den Kleinsten.

Und dazu mussten Fachleute gewonnen werden. Und die, die maßgeblich daran mitwirkten, dass man mittlerweile sehen und vorhersehen kann, mit welcher Pracht man hier einst Friedrich Wilhelm III. und die allseits verehrte Königin Luise auf dem Weg von der Potsdamer Residenz zum Sommerschloss in Paretz über die Wublitz geleitete.

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Der Ostgiebel des Hauses wurde extra für den Denkmaltag von den oberen Rüstungsetagen befreit, um den Blick auf die beeindruckende Fassade zu ermöglichen, die zwar noch nicht ganz fertig ist, aber eben schon einen Eindruck von dem vermittelt, wie das Uetzer „Märchenhaus“ vielleicht in ein paar Jahren die Blicke auf sich ziehen wird.

Sabine Swientek und Henry Sawade haben ihre wichtigsten Helfer zum Denkmaltag eingeladen, die ihr meisterliches Handwerk, mit dem sie hier wirkten, zeigen: „Das sind Handwerker, die in der Lage sind, so zu denken wie ihre Vorgänger früher gearbeitet haben“, sagt Sawade. Inzwischen werden die Fachleute nicht mehr ständig gebraucht, Vieles haben sich die Bauherrn auch selbst angenommen und ernten Lob für ihre restauratorische Arbeit. Von den Handwerksmeistern und auch von den Eltern, die ebenfalls mit zupacken. Vater und Steinmetz Lothar Sawade hat jeden Ziegelstein der Außenmauern eigenhändig nummeriert, aus dem halbsteinstarken Fachwerk vorsichtig herausgenommen, um den inneren Lehmputz nicht zu zerstören (weil er die –zig Farbfassungen des Innenraums trägt und wieder hergestellt werden soll), hat sie abgeputzt, gesäubert und wieder an ihre Stelle gesetzt – wie viele, hat er nicht gezählt, aber wichtiger ist: „Alle Ziegel sind heil geblieben.“

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Innen ist meist noch Rahbau zu sehen: Lehm und Balken.

Der Nachbar Günter Richter, ein Schlosser im Ruhestand, hat sich der zahlreichen Kastenschlösser im Haus angenommen, „französische Kastenschlösser“ betont er, und er hilft sogar bei der Suche, um alle Türen mit den Schlössern auszustatten, die zur Bauzeit üblich waren. Die Türen, wie auch die Balken in der Fassade, sind aufwändig gestrichen. Malermeister und Restaurator (für Architekturfassung) Ulrich Kobelius erläutert, wie man damals mit spezieller Maltechnik und besonderen Pinseln die märkische Kiefer zu teurer Eiche „aufgewertet“ hatte. Er brachte die Technik dem Bauherrn bei, der offensichtlich Spaß daran hat, möglichst alles selbst zu machen. Wie auch die Bleiverglasung von Fenstern, die sich auch Sabine Swientek schon angenommen hat und Glasermeister Stefan Batz ihr dabei Pate stand. Die Zimmerer von Schmiechen & Grüber aus Bergholz-Rehbrücke waren ebenfalls schon fleißig am Fährhaus, vor allem beim Austausch von schadhaften Balkenteilen im Fachwerk und bei der Wiederherstellung der zahlreichen Verzierungen. Jetzt sind sie zuversichtlich, dass Sabine Swientek und Henry Sawade auch bald mit dem Wiederaufbau der Persius-Scheune beginnen. Das wird eine Aufgabe für echte Zimmerleute, die ein stabiles Fachwerk noch mit Holznägeln herstellen können.

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Ein Ausflug in die märkische Ziegeleigeschichte.

Es wird also weitergehen am Fährhaus, der völlig verwucherte Garten hat inzwischen die Luise-Eiche freigegeben und wartet auf die Herrichtung der Anlagestelle an einer fiktiven Wublitz.

„Das Wichtigste“, sagt Henry Sawade, „das Dorf macht mit.“ Es ist, wie sie es gewünscht haben: Die Uetzer – und nach und nach auch die Paarener – haben das Fährhaus für ihren Ort wiederentdeckt. Rundherum soll sich noch Einiges entwickeln…

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rd

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